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WissenscenterLärm & Akustik · Kapitel 14/16

Lärm & Akustik – Ursachen verstehen, Anlagen leiser machen, ohne Leistung zu verlieren

Lärm ist in der Absaugtechnik kein „Nebeneffekt“, sondern ein Systemsignal: Er zeigt, wo Luft zu schnell strömt, wo Widerstände unnötig hoch sind, wo Bauteile schwingen oder wo der Ventilator im falschen Bereich arbeitet. Wer Lärm nur „dämmt“, ohne die Ursache zu beheben, bezahlt später doppelt: höhere Stromkosten, mehr Verschleiss und oft sogar schlechtere Erfassung.

Dieses Kapitel gibt Ihnen eine klare, praxisnahe Logik: woher kommt der Lärm, wie Sie ihn systematisch lokalisieren und welche Massnahmen wirklich wirken – von Strömungsoptimierung über Schalldämpfer bis zur Ventilator-/Regelstrategie.

Wichtig vorab: „Leiser“ erreichen Sie am zuverlässigsten über weniger Druckverlust, niedrigere Strömungsgeschwindigkeiten und einen sauberen Betriebspunkt – nicht über „mehr Dämmwolle“. Wenn Ihre Anlage grundsätzlich instabil läuft, starten Sie bei: Planung & Dimensionierung.

1) Was ist „Lärm“ in einer Absauganlage?

In der Praxis überlagern sich mehrere Geräuscharten. Wer sie auseinanderhalten kann, findet Ursachen deutlich schneller:

  • Strömungsgeräusche: „Rauschen“, „Pfeifen“ durch hohe Luftgeschwindigkeit, Kanten, Engstellen.
  • Ventilatorgeräusche: Tonal (Brummen/Singen) oder breitbandig – abhängig von Laufrad, Drehzahl, Betriebspunkt.
  • Körperschall/Vibration: Schwingungen übertragen sich in Gebäude, Rohrnetz, Maschinen (typisch: „Dröhnen“).
  • Impulsgeräusche: Klappern von Klappen/Schiebern, schlagende Schläuche, Funkenfänger/Abscheider.
  • Austrittsgeräusche: laute Fortluft am Ausblas (Jet-Effekt), insbesondere ohne Dämpfung.

Ziel ist nicht „absolute Stille“, sondern ein akustisch akzeptables Niveau, das Arbeitssicherheit, Komfort und Prozessqualität unterstützt.

2) Die häufigsten Ursachen – und warum sie auftreten

2.1 Zu hohe Strömungsgeschwindigkeiten (der Klassiker)

Wenn Luft durch zu kleine Querschnitte muss oder an Engstellen beschleunigt, entstehen Strömungsgeräusche. Typische Auslöser: zu kleine Nennweiten (NW), zu viele enge Bögen, abrupte Übergänge, falsch dimensionierte Anschlussstücke oder „zu viel Leistung“ ohne Regelung.

  • Symptom: Pfeifen/Heulen an einzelnen Stellen (Bogen, Übergang, Schieber).
  • Nebenwirkung: hoher Δp → höhere Stromkosten (siehe: Energieeffizienz & Kosten).
  • Fix: Strömungsoptimierung (NW, Formteile, Übergänge), ggf. Drehzahl senken (FU).

2.2 Ventilator im falschen Betriebspunkt

Ein Ventilator wird akustisch auffällig, wenn er ausserhalb seines effizienten Bereichs arbeitet: zu hohe Drehzahl, zu hoher Druck, instabile Strömung (Turbulenzen), „Abwürgen“ durch Drosseln. Hier bringt „mehr Dämpfung“ wenig – die Quelle bleibt.

  • Symptom: gleichmässiges, dominantes Brummen oder tonal „singendes“ Geräusch.
  • Fix: Betriebspunkt prüfen (Q/Δp), Regelstrategie optimieren, ggf. Laufrad/Geometrie anpassen.
  • Vertiefung: Ventilatoren & Steuerungen.

2.3 Körperschall: Schwingungen im Rohrnetz oder Aggregat

Körperschall entsteht, wenn Ventilator, Motor oder Rohrnetz mechanisch Energie in Bauteile einleiten. Häufige Ursachen: unzureichende Entkopplung, fehlende flexible Elemente, schlechte Befestigung, Resonanzen in langen Rohrstrecken oder dünnwandigen Komponenten.

  • Symptom: „Dröhnen“ in Wand/Decke, Vibrationen am Rohr, fühlbare Schwingungen am Gehäuse.
  • Fix: Entkopplung (Schwingungsdämpfer), flexible Verbinder, saubere Aufhängung/Abstützung.
  • Vertiefung Montage: Rohrleitungen & Montage.

2.4 Austritt / Fortluft als Lärmquelle

Der Ausblas ist oft unterschätzt. Hohe Austrittsgeschwindigkeiten erzeugen einen Jet-Effekt, der besonders im Aussenbereich oder in Schächten stark wahrgenommen wird.

  • Symptom: Lärm primär „draussen“ oder am Fortluftauslass.
  • Fix: Schalldämpfer, Diffusoren, grössere Querschnitte, strömungsgünstige Auslässe.

3) Systematische Diagnose: So finden Sie die Quelle

Ohne Diagnose wird Akustik schnell zum „Trial & Error“. Vorgehen in der Praxis:

3.1 Lokalisieren statt „global dämmen“

  • Schritt 1: Wann ist der Lärm da? (nur bei bestimmten Arbeitsplätzen, nur bei hoher Last, nur bei Filterbeladung?)
  • Schritt 2: Wo ist er am stärksten? (Ventilator, bestimmte Bögen, Ausblas, Filtergehäuse?)
  • Schritt 3: Was ändert sich, wenn:
    • ein Abzweig geschlossen wird?
    • die Drehzahl reduziert wird (falls FU vorhanden)?
    • der Filter gereinigt/erneuert wird?
Einfacher Praxis-Test: Wenn eine moderate Drehzahlreduktion den Lärm stark senkt, ist die Ursache fast immer Strömung / Betriebspunkt – nicht „schlechte Dämmung“.

3.2 Δp als akustischer Frühindikator

Steigt der Filter-Δp (beladener Filter), muss der Ventilator mehr leisten. Das erhöht nicht nur die Stromkosten, sondern kann auch Geräusch und Vibrationen verändern. Deshalb gehören Akustik und Wartung zusammen: Betriebsüberwachung & Wartung.

4) Massnahmen: Was wirklich hilft (in der richtigen Reihenfolge)

4.1 Erste Priorität: Strömung optimieren (leise durch Physik)

  • NW prüfen: zu kleine NW treiben Geschwindigkeit und Geräusch hoch; zu grosse NW verursachen Ablagerungen und später ebenfalls Probleme.
  • Formteile optimieren: strömungsgünstige Bögen, weniger harte Übergänge, saubere Abzweige.
  • Engstellen eliminieren: „Reduktionen“, ungünstige Schlauchanschlüsse, scharfe Kanten.

Wenn Sie hier ansetzen, verbessern Sie gleichzeitig Energieeffizienz und Leistung. Vertiefung Rohrnetz: Rohrleitungen & Montage.

4.2 Zweite Priorität: Betriebspunkt und Regelung

Wenn die Anlage häufig „zu stark“ läuft, ist Drehzahlregelung ein direkter Hebel: weniger Luft = weniger Geräusch = weniger Strom. Bei Mehrplatzanlagen ist eine Bedarfssteuerung (Klappen + FU) oft die sauberste Lösung.

  • FU-Regelung: Drehzahl an Bedarf koppeln (statt Drosseln).
  • Zonenbetrieb: nur aktive Bereiche offen → stabilere Verteilung, weniger Lärm.
  • Abgleich: Stränge so ausbalancieren, dass nicht ein „leichter“ Strang alles zieht.

Vertiefung: Ventilatoren & Steuerungen.

4.3 Dritte Priorität: Schall dämpfen (wenn die Quelle im Griff ist)

Erst wenn Strömung und Betriebspunkt passen, lohnt sich gezielte Dämpfung – dann wirkt sie planbar. Typische Elemente:

  • Schalldämpfer: im Zu-/Abluftbereich, speziell für Fortluftauslässe.
  • Akustikgehäuse: für Ventilator/Filter (mit sauberer Wartungszugänglichkeit).
  • Innenauskleidung: in Kanälen (nur wenn medien- und brandschutztechnisch passend).
  • Diffusoren/Ausblasgeometrie: reduziert Jet-Lärm am Austritt.

4.4 Körperschall reduzieren (Entkopplung und Aufhängung)

  • Schwingungsdämpfer: unter Aggregaten / auf Fundamenten.
  • Flexible Verbinder: zwischen Ventilator und Rohrnetz, um Schwingungsübertragung zu reduzieren.
  • Rohraufhängung: stabile Abstützung, Resonanzen vermeiden (lange freie Spannweiten reduzieren).

5) Akustik-Quickcheck: Häufige Szenarien und Diagnose-Hinweise

Szenario A: Pfeifen an einem Schieber / Übergang

  • Ursache: hohe Geschwindigkeit an Engstelle oder scharfe Kante.
  • Massnahme: Übergang optimieren, Querschnitt vergrössern, Position prüfen, ggf. Drehzahl senken.

Szenario B: Anlage wird lauter, Leistung nimmt ab

  • Ursache: Filterbeladung → Δp steigt, Ventilator arbeitet härter.
  • Massnahme: Δp prüfen, Abreinigung/Service, Filterkonzept evaluieren.

Szenario C: Dröhnen im Gebäude

  • Ursache: Körperschall/Resonanz (Entkopplung/Abstützung ungenügend).
  • Massnahme: Entkopplung, flexible Verbinder, Rohrhalterung verbessern.

Szenario D: Fortluft draussen extrem laut

  • Ursache: Jet-Effekt / fehlende Dämpfung / zu hoher Ausblas.
  • Massnahme: Schalldämpfer, Diffusor, Querschnitt, Auslassführung prüfen.
Weiter zu: Branchenlösungen – typische Anforderungen und sinnvolle Absaugkonzepte je Branche.

FAQ

Warum wird meine Anlage lauter, obwohl nichts geändert wurde?
Häufig steigt schleichend der Widerstand im System: Filterbeladung, Ablagerungen in Leitungen, verstellte Schieber, Leckagen oder defekte Komponenten. Das verschiebt den Betriebspunkt und erhöht Leistung und Geräusch.

Hilft ein Schalldämpfer immer?
Er hilft, wenn die dominierende Quelle im Zu-/Abluftpfad liegt (z. B. Fortluft). Wenn der Lärm durch Strömungsengstellen oder falschen Betriebspunkt entsteht, ist Dämpfung allein meist ineffizient.

Was ist der häufigste Planungsfehler beim Thema Lärm?
Zu hohe Strömungsgeschwindigkeiten durch falsche NW/Engstellen und die Annahme, dass man das später „wegdämmen“ kann. Leiser wird es am zuverlässigsten über Strömung und Betriebspunkt.

Kann FU-Regelung Lärm senken?
Ja. Wenn die Anlage heute zu hoch läuft, senkt eine Drehzahlregelung Volumenstrom und damit Strömungsgeräusche sowie Ventilatorgeräusch – oft mit spürbarem Effekt.

Woran erkenne ich Körperschall?
Wenn Sie Vibrationen fühlen oder das Gebäude „dröhnt“, ist es meist Körperschall. Dann helfen Entkopplung, flexible Verbinder und eine saubere Rohrabstützung deutlich mehr als Schalldämpfer im Luftstrom.

Absaugtechnik Schweiz GmbH | Wissenscenter | Lärm & Akustik | Stand: Januar 2026
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