Wissenscenter › Energieeffizienz & Kosten · Kapitel 13/16
Energieeffizienz & Kosten – Strom, Druckverluste und echte Hebel im Betrieb
Bei Absauganlagen entscheidet nicht der Anschaffungspreis über die Wirtschaftlichkeit, sondern die Summe aus Stromverbrauch, Filter- und Wartungsaufwand, Stillstandszeiten und Prozessqualität. In vielen Betrieben läuft die Absaugung “einfach immer” – häufig mit zu hohem Volumenstrom, zu viel Druckverlust und ohne Lastanpassung. Das kostet jeden Monat Geld, ohne dass es irgendjemand merkt.
Dieses Kapitel zeigt Ihnen die wichtigsten Kostentreiber, eine klare Rechenlogik und vor allem die Hebel, die in der Praxis am meisten bringen: saubere Dimensionierung, niedrige Druckverluste, drehzahlgeregelte Ventilatoren (FU), Zonen-/Bedarfssteuerung, passende Filterkonzepte und ein konsequentes Monitoring.
1) Wo entstehen die Kosten wirklich?
Typischerweise verteilen sich die laufenden Kosten einer Absauganlage auf wenige Hauptblöcke:
- Stromkosten Ventilator(en): meist der grösste Block – insbesondere bei Dauerbetrieb und hohem Δp.
- Filterkosten: Filtermedien, Abreinigung, Entsorgung (Staub/Schlamm), ggf. Aktivkohle.
- Wartung & Ersatzteile: Dichtungen, Lager, Schieber/Klappen, Schläuche, Sensorik.
- Produktivitätskosten: Ausfallzeiten, schlechte Erfassung → Nacharbeit/Reinigung/Qualitätsprobleme.
- Heiz-/Kühlenergie bei Fortluft: jede abgeführte Hallenluft muss energetisch ersetzt werden.
Das Entscheidende: Viele Anlagen sind nicht “zu klein”, sondern falsch gefahren – zu hoher Luftstrom, falsche NW, unnötige Druckverluste und keine Bedarfsregelung. Das wirkt auf den Monatsreport wie “normaler Stromverbrauch” – ist aber oft eine dauerhaft versteckte Leckage.
2) Die Physik dahinter – warum Druckverlust (Δp) Geld ist
Der Ventilator muss nicht nur Luft fördern (Q), sondern den Widerstand des Systems überwinden (Δp). Und genau hier steckt der Kern: Mehr Δp = mehr Leistung = mehr Stromkosten. Δp entsteht überall: Erfassung, Rohrleitung, Formteile, Schieber, Abscheider, Filter, Ausblas.
2.1 Typische Δp-Treiber (praktische Realität)
- Zu viele Formteile / schlechte Leitungsführung: enge Bögen, unnötige Abzweige, schlechte Übergänge.
- Falsche Nennweiten (NW): zu klein → hohe Strömungsgeschwindigkeiten → Δp steigt stark; zu gross → Ablagerungen, später ebenfalls Δp-Probleme.
- Filterbeladung: Δp steigt über die Zeit. Wenn der Filter “blind” gefahren wird, steigt der Stromverbrauch schleichend.
- Leckagen: falsche Verbindungen/Dichtheit → Sie fördern Luft “ins Nichts”. Das ist Strom ohne Nutzen.
3) Lastprofile verstehen: Dauerlauf ist der häufigste Kostentreiber
Viele Betriebe betreiben die Absaugung als “Hintergrundsystem”: morgens einschalten, abends ausschalten. Wenn aber nur ein Teil der Arbeitsplätze aktiv ist, fördert die Anlage häufig zu viel Luft. Das ist ineffizient und verschlechtert oft sogar die Erfassung (Zugluft, unnötiger Lärm, instabile Verteilung).
3.1 Die zentrale Frage: Wie oft ist wie viel Luft wirklich nötig?
- Mehrplatzanlagen: Wie viele Stellen laufen real gleichzeitig?
- Schichtbetrieb: Gibt es Pausenfenster, in denen reduziert werden kann?
- Prozesswechsel: wechseln Staub-/Rauchquellen oder Intensitäten?
- Mobil/Intermittierend: Absaugarme sind oft nicht dauerhaft in Betrieb.
Genau diese Daten sind die Basis für “Bedarf statt Dauerlauf”. Wenn Ihnen diese Vorarbeit fehlt: Schnellstart zur passenden Lösung.
4) Die grössten Hebel – was in der Praxis wirklich spart
4.1 Frequenzumrichter (FU) / Drehzahlregelung
Drehzahlregelung ist bei Mehrplatzanlagen und schwankender Nutzung der stärkste Hebel. Statt “volle Drehzahl, dann Drosseln” fährt die Anlage nur so schnell wie nötig. Das spart Strom, reduziert Lärm und stabilisiert die Verteilung.
- Vorteil: Volumenstrom und/oder Unterdruck können stabil geregelt werden.
- Praxis: Je variabler die Nutzung, desto höher das Einsparpotenzial.
- Wichtig: Regelstrategie muss zum System passen (z. B. konst. Druck, konst. Volumenstrom, Zonenbetrieb).
Technischer Kontext: Ventilatoren & Steuerungen.
4.2 Zonen-/Bedarfssteuerung (Klappen + Logik)
Bei mehreren Abzweigen ist die Kombination aus automatischen Klappen (oder sauber gesetzten Schiebern) und FU-Regelung oft die effizienteste und stabilste Lösung. Offene Stellen ziehen Luft – geschlossene Stellen sollen nicht “mitlaufen”.
- Beispiel: Nur Zone A läuft → Zone B/C geschlossen → Ventilator reduziert Drehzahl.
- Effekt: weniger unnötiger Volumenstrom, weniger Δp, weniger Lärm.
- Nebenwirkung: bessere Erfassung am aktiven Arbeitsplatz, weil die Luft nicht “wegläuft”.
4.3 Druckverluste senken (Rohrnetz und Formteile)
Druckverlustoptimierung ist häufig die schnellste “passive” Effizienzsteigerung, weil sie dauerhaft wirkt – ohne Steuerungslogik. Typische Massnahmen:
- Saubere Leitungsführung: kurze Wege, weniger unnötige Bögen/Abzweige.
- Strömungsgünstige Bögen: Segmentbögen statt extrem enger Bögen (wo möglich).
- Übergänge korrekt: sanfte Übergänge statt “harte” Sprünge.
- Dichtheit: Leckagen eliminieren – jede Nebenluft ist Strom ohne Nutzen.
Vertiefung: Rohrleitungen & Montage.
4.4 Filterkonzept richtig wählen (sonst wird Effizienz zum Filterproblem)
Ein Filter ist nicht “ein Filter”. Je nach Medium und Prozess entscheiden Vorabscheidung, Filterklasse, Abreinigung und Sensorik über Δp-Verlauf, Standzeit und Betriebskosten.
- Vorabscheider/Zyklon: reduziert Filterbeladung bei groben Partikeln → weniger Δp-Anstieg.
- Abreinigung: verhindert, dass Filter “blind” gefahren wird.
- Sensorik: Differenzdruck als KPI – ohne Δp sehen Sie den Kostenanstieg nicht.
Vertiefung: Abscheider, Filter & Filtertechnik.
5) Umluft vs. Fortluft: Energetik, Kosten und typische Fehlannahmen
Fortluft ist sicherheitstechnisch oft “einfacher” (Schadstoffe raus), kostet aber in der Heizperiode sehr schnell viel Energie, weil die abgesaugte Luft ersetzt und konditioniert werden muss. Umluft spart Heizenergie, erfordert dafür ein sauberes Filtrations- und Überwachungskonzept.
- Fortluft: einfacher bezüglich Raumluft, aber Nachströmung muss stimmen – sonst Unterdruck, Komfort- und Prozessprobleme.
- Umluft: energetisch attraktiv, aber nur mit geeignetem Filterkonzept und je nach Medium/Anforderungen zulässig.
Wenn Sie Unterdruck, Zugluft oder “klemmende Türen” beobachten, ist die Hallenluftbilanz meist der Engpass: Nachströmung & Hallenluftbilanz.
6) Einfache Kosten-Rechnung: so bekommen Sie ein Gefühl für Einsparpotenzial
Sie brauchen keine Perfektion, um ein gutes Bild zu bekommen. Mit drei Werten kommen Sie weit: Leistung (kW), Betriebsstunden, Strompreis.
Beispiel: 7,5 kW Ventilator × 2'000 h/Jahr × 0,25 CHF/kWh ≈ 3'750 CHF/Jahr
Wichtig: Das ist die elektrische Leistung am Motor. In der Realität variiert sie mit Betriebspunkt und Regelung. Genau deshalb bringen FU und Bedarfssteuerung so viel: Sie reduzieren “unnötige Stunden auf hoher Leistung”.
6.1 Effizienz-Check im Betrieb (sehr praxisnah)
- Läuft die Anlage auch, wenn niemand absaugt? → sofortiger Hebel: Abschaltlogik/Bedarf.
- Steigt der Stromverbrauch über Wochen? → oft Filterbeladung/Δp-Anstieg.
- Ist das System laut oder “pfeift”? → häufig zu hohe Geschwindigkeiten/zu hohe Δp.
- Probleme am letzten Arbeitsplatz? → Verteilung/Abgleich, Schieberlogik, Δp, NW.
Wenn diese Punkte zutreffen, lohnt sich ein strukturiertes Vorgehen über Monitoring und Inbetriebnahme-Checks: Installation & Inbetriebnahme und Betriebsüberwachung & Wartung.
7) Monitoring als Kostenbremse: Welche Kennzahlen wirklich zählen
Ohne Kennzahlen ist Effizienz Zufall. In der Praxis reichen wenige Messpunkte, um Kosten “sichtbar” zu machen:
- Differenzdruck Filter (Δp): wichtigste KPI für Filterzustand und schleichende Mehrkosten.
- Volumenstrom / Unterdruck: zeigt, ob die Anlage im richtigen Betriebspunkt läuft.
- Motorleistung / Stromaufnahme: zeigt, ob die Anlage “unnötig hart arbeitet”.
- Schieber-/Klappenstatus: Basis für Bedarfslogik und Fehlerdiagnose.
FAQ
Was ist der grösste Effizienzhebel bei Mehrplatzanlagen?
In den meisten Fällen die Kombination aus FU-Regelung und Bedarfs-/Zonensteuerung.
Damit läuft die Anlage nur so stark wie nötig – statt dauerhaft auf Vollgas.
Woran erkenne ich, dass meine Anlage “zu teuer” läuft?
Typische Hinweise sind: Dauerlauf ohne Bedarf, schleichend steigende Stromaufnahme, zunehmender Lärm,
sinkende Leistung am Ende der Leitungen oder stark steigender Filter-Δp. Spätestens dann lohnt sich ein Check.
Warum ist Filter-Δp so wichtig für die Kosten?
Weil steigender Δp den Ventilator zwingt, mehr Arbeit zu leisten. Das erhöht Stromverbrauch und verschlechtert
oft die Erfassung. Δp ist der einfachste Frühindikator für “teuren Betrieb”.
Ist Umluft immer günstiger als Fortluft?
Energetisch oft ja, weil Heizenergie gespart wird. Technisch und regulatorisch hängt es jedoch stark vom Medium
und vom Filtrations-/Überwachungskonzept ab. Fortluft ist häufig einfacher in der Raumluftqualität, kostet aber
Heizenergie und verlangt saubere Nachströmung.
Soll ich lieber “mehr Leistung” kaufen, um Reserven zu haben?
Reserven sind sinnvoll, aber “mehr kW” ist selten die richtige Strategie. Besser ist eine saubere Auslegung
mit Reserven bei Δp, ein effizienter Betriebspunkt und Regelung. Sonst bezahlen Sie Reserven jeden Tag mit Strom.
Absaugtechnik Schweiz GmbH | Wissenscenter | Energieeffizienz & Kosten | Stand: Januar 2026
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