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WissenscenterNachströmung & Hallenluftbilanz · Kapitel 8/16

Nachströmung & Hallenluftbilanz – Unterdruck vermeiden, Leistung sichern, Energie im Griff behalten

Nachströmung ist der Teil der Absaugtechnik, der in der Planung gerne “weggelassen” wird – und später die grössten Probleme macht. Jede abgesaugte Luftmenge muss ersetzt werden. Wenn keine saubere Zuluft nachströmt, entsteht Unterdruck: Türen lassen sich schwer öffnen, es zieht, die Anlage wird laut, und die Absaugwirkung bricht ein – oft genau dann, wenn mehrere Arbeitsplätze gleichzeitig laufen.

Dieses Kapitel zeigt, wie Sie Nachströmung und Hallenluftbilanz praxisnah beurteilen: Welche Luftmengen realistisch nachströmen können, welche Zuluftkonzepte sich bewährt haben, wie Umluft/Fortluft die Energiekosten beeinflussen, und wie Sie Unterdruck, Komfort und Luftqualität sauber in Einklang bringen.

Wichtig vorab: Nachströmung ist kein “Nice-to-have”. Sie ist ein Systembaustein wie Erfassung, Rohrnetz, Filter und Ventilator. Wenn Zuluft fehlt, versuchen Sie später, ein Luftbilanzproblem über kW zu lösen – das funktioniert selten. Passende Grundlagen: Planung & Dimensionierung, Ventilatoren & Steuerungen.

1) Grundprinzip: Luftbilanz muss aufgehen

Die Hallenluftbilanz ist simpel formuliert: Zuluft (Nachströmung) ≈ Abluft (Absaugung + Fortluft). Wenn die Zuluft kleiner ist als die Abluft, baut sich Unterdruck auf. Dieser Unterdruck “frisst” die verfügbare Ventilatorleistung: Der Ventilator arbeitet gegen einen zusätzlichen Widerstand, der in keiner Rohrnetzrechnung enthalten war.

Praxisbeispiel: Anlage saugt 8'000 m³/h ab (Fortluft).
Nachströmung über Türen/Leckagen realistisch 3'000–4'000 m³/h.
Ergebnis: Unterdruck steigt, Absaugleistung an der Erfassung bricht ein, Komfortprobleme (Zugluft/Türen), höhere Geräusche.

1.1 Typische Symptome bei zu wenig Nachströmung

  • Türen “kleben”: schwer zu öffnen/schliessen, spürbarer Sog.
  • Leistung schwankt: sobald mehrere Plätze öffnen, sinkt Saugleistung deutlich.
  • Starker Lärm: Ventilator arbeitet “gegen” Unterdruck; Strömungsgeräusche nehmen zu.
  • Zugluft / Komfortprobleme: Luft strömt unkontrolliert über Tore, Ritzen, Türen.
  • Störende Querströmungen: Rauch/Staub wird aus der Erfassung “weggezogen”.

2) Fortluft oder Umluft: Die Grundsatzentscheidung

Die Luftbilanz hängt stark davon ab, ob Sie die gereinigte Luft in der Halle halten (Umluft) oder ins Freie abführen (Fortluft). Beide Konzepte sind technisch sinnvoll – aber die Konsequenzen unterscheiden sich deutlich.

2.1 Fortluft (Abluft nach draussen)

  • Stärken: Luftqualität in der Halle oft einfacher zu beherrschen, weniger Risiko durch Restemissionen.
  • Konsequenz: Jede m³/h Fortluft muss als Zuluft wieder rein – sonst Unterdruck.
  • Energie: Heizenergieverlust im Winter, ggf. Kühlenergieverlust im Sommer.
  • Praxisthema: Wetterhauben, Ausblasführung, Immissionen, Nachbarschaft (Geruch/VOCs/Lärm).

2.2 Umluft (gereinigte Luft zurück in die Halle)

  • Stärken: energetisch attraktiv (Wärme bleibt im Gebäude), weniger “Zuluftdruck”.
  • Konsequenz: erfordert ein sauberes Filter- und Überwachungskonzept – je nach Medium und Vorgaben.
  • Praxisthema: Filterqualität, Leckagekontrolle, Differenzdruck-Überwachung, ggf. zusätzliche Sensorik.
Merksatz: Fortluft ist oft luftqualitativ “einfacher”, aber energetisch anspruchsvoller. Umluft ist energetisch stark, verlangt aber konsequente Filterung und Monitoring. Filtergrundlagen: Abscheider, Filter & Filtertechnik.

3) Nachströmung in der Realität: “Türspalte” reichen selten

Viele Hallen verlassen sich auf unkontrollierte Nachströmung: Tore, Türen, Undichtigkeiten. Das funktioniert nur, wenn die abzusaugenden Luftmengen klein sind. Bei typischen Absauganlagen in Werkstatt/Industrie (mehrere tausend m³/h) ist unkontrollierte Nachströmung fast immer zu wenig oder qualitativ schlecht (Zugluft, Staub, Kälte).

3.1 Kontrollierte Zuluft: Die saubere Lösung

Kontrollierte Zuluft bedeutet: Sie definieren, wo und wie Luft in die Halle kommt. Damit stabilisieren Sie die Absaugung, verbessern Komfort und können Energie gezielt steuern.

  • Zuluftöffnungen / Zuluftgitter: dimensioniert auf den benötigten Volumenstrom.
  • Zuluftventilatoren: aktiv nachführen, ggf. regelbar (z. B. gekoppelt an die Absaugung).
  • Zulufttemperierung: im Winter entscheidend (Komfort, Kondensation vermeiden).
  • Luftführung: so platzieren, dass keine Querströmung die Erfassung stört.

3.2 Zuluftplatzierung: Der oft unterschätzte Erfolgsfaktor

Zuluft muss so in die Halle eingebracht werden, dass sie die Erfassung nicht “kaputt macht”. Eine starke Querströmung (Zuluft direkt in Richtung Schweissrauchquelle, Schleifplatz oder Saugschlitz) kann Staub und Rauch aus der Erfassung treiben. Ideal ist eine Führung, die “ruhig” in den Raum mischt oder von der Erfassungszone wegführt.

Praxisregel: Zuluft nicht “irgendwo” – sondern so, dass die Luftströmung zur Erfassung hin arbeitet oder zumindest nicht dagegen. Erfassung vertiefen: Erfassungselemente.

4) Unterdruck: Wie viel ist “zu viel”?

Ein geringer Unterdruck kann in bestimmten Situationen tolerierbar sein. Problematisch wird es, wenn der Unterdruck so hoch ist, dass:

  • die Hallentüren deutlich schwer gehen,
  • die Absaugung messbar an Leistung verliert,
  • es zu starker Zugluft kommt,
  • oder Sicherheits-/Brandschutzanforderungen beeinträchtigt werden.

In Mehrplatzanlagen ist eine Regelstrategie (FU) oft der Schlüssel: Wenn weniger Plätze offen sind, reduziert der Ventilator die Drehzahl und damit die abzuführende Luftmenge. Das entlastet die Zuluftanforderung. Vertiefung: Ventilatoren & Steuerungen.

5) Energie & Betriebskosten: Zuluft ist ein Kostentreiber – oder ein Hebel

Fortluft bedeutet: Sie “werfen” temperierte Hallenluft nach draussen. Je nach Luftmenge und Betriebszeit ist das ein relevanter Kostenblock. Hier entstehen oft grosse Hebel:

  • Umluftanteil: wenn prozess- und regelkonform möglich, reduziert Heizverluste.
  • FU-Regelung: reduziert Volumenstrom in Teillast → weniger Fortluft → weniger Nachströmung nötig.
  • Wärmerückgewinnung: je nach System und Medium möglich (projektabhängig).
  • Betriebsprofil: Schichten, Gleichzeitigkeit, automatische Abschaltungen vermeiden “Dauerlauf”.

Detailkapitel: Energieeffizienz & Kosten.

6) Sicherheit & Luftqualität: Nicht nur Komfort

Nachströmung hat nicht nur Komfort- und Energieaspekte. Sie beeinflusst auch Sicherheit und Luftqualität: Unterdruck kann Türen, Fluchtwege und Brandschutzkonzepte beeinflussen. Zudem kann unkontrollierte Zuluft Fremdstaub eintragen oder Dämpfe aus benachbarten Bereichen ansaugen.

In sensiblen Umgebungen (brennbare Stäube/Dämpfe, ESD-Risiken, Funken) muss die Luftbilanz in das Sicherheitskonzept integriert werden: ATEX, ESD & Brandschutz.

7) Praxis-Checklisten: So bewerten Sie Ihre Hallenluftbilanz

A) Schnellprüfung vor Ort

  • Symptome: Türen, Zugluft, schwankende Leistung, Geräuschveränderungen
  • Betriebssituation: Wie viele Stellen sind gleichzeitig offen? (realistisch, nicht theoretisch)
  • Zuluftwege: Wo kommt Luft hinein? (definiert oder zufällig)
  • Querströmungen: stört Zuluft die Erfassung? (Rauch/Staub “wandert”)
  • Winterbetrieb: friert es, kondensiert es, beschweren sich Mitarbeitende?

B) Planungsdaten, die Sie griffbereit haben sollten

  • Absaug-Volumenstrom (Q): pro Arbeitsplatz und Gesamt (inkl. Gleichzeitigkeit)
  • Betriebsprofil: Schichtzeiten, Spitzenlast, typische Nutzung
  • Konzept: Fortluft/Umluft, Filterqualität/Überwachung
  • Zuluft: geplante Öffnungen, Ventilatoren, Temperierung
  • Layout: Hallenplan mit Erfassungs- und Zuluftpositionen

C) Typische Verbesserungen mit hoher Wirkung

  • Kontrollierte Zuluft statt “Türspalten”
  • Zuluftpositionierung optimieren, Querströmungen vermeiden
  • FU-Regelung und Zonenlogik, um Teillast sauber abzubilden
  • Monitoring (Unterdruck/Differenzdruck/Motordaten) als Frühwarnsystem
Weiter zu: Installation & Inbetriebnahme – hier wird aus Planung Realität: Messwerte, Abgleich, Referenzpunkte und typische Inbetriebnahmefehler.

FAQ

Warum bricht die Absaugung bei mehreren offenen Plätzen plötzlich ein?
Weil die Nachströmung nicht mithält. Der Unterdruck steigt, der Ventilator arbeitet gegen zusätzliche Widerstände, und die Luft verteilt sich ungünstig. Eine saubere Zuluftführung und FU-Regelung stabilisieren das System.

Reicht es, einfach ein Tor einen Spalt offen zu lassen?
Bei kleinen Luftmengen manchmal. Bei typischen Absaugleistungen (mehrere tausend m³/h) ist das meist zu wenig und verursacht Zugluft, Kälte und Querströmungen, die die Erfassung stören. Kontrollierte Zuluft ist die saubere Lösung.

Wann ist Umluft sinnvoll?
Wenn Medium und Vorgaben es erlauben und das Filter-/Überwachungskonzept sauber ist. Umluft spart Energie, verlangt aber konsequente Filterqualität und Monitoring. Filtergrundlagen: Abscheider, Filter & Filtertechnik.

Wie verhindere ich, dass Zuluft die Erfassung “kaputt macht”?
Zuluft so platzieren, dass sie keine Querströmung in der Erfassungszone erzeugt. Idealerweise “ruhig” einbringen, von der Quelle weg oder so, dass die Strömung zur Erfassung hin unterstützt – nicht dagegen.

Was ist der wichtigste erste Schritt, wenn Unterdruck-Probleme auftreten?
Betriebssituation analysieren (Gleichzeitigkeit), reale Nachströmung bewerten und messen/prüfen, ob FU-Regelung und Klappenlogik Teillast korrekt abbilden. Danach Zuluftkonzept definieren und kontrolliert umsetzen.

Absaugtechnik Schweiz GmbH | Wissenscenter | Nachströmung & Hallenluftbilanz | Stand: Januar 2026
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