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Wissenscenter · Sicherheit

ATEX, ESD und Brandschutz bei Absauganlagen

Brennbare Stäube, Funken, Glut und elektrostatische Aufladungen können in Absauganlagen erhebliche Gefährdungen verursachen. Ein wirksames Schutzkonzept betrachtet deshalb nicht nur einzelne Bauteile, sondern Prozess, Erfassung, Rohrnetz, Filter, Ventilator, Austrag, Aufstellort und betriebliche Abläufe als Gesamtsystem.

Sicherheit beginnt mit der Stoff- und Prozessbeurteilung

Ob eine Brand- oder Explosionsgefahr besteht, lässt sich nicht allein anhand einer allgemeinen Materialgruppe beurteilen. Holzstaub, Kunststoffstaub, Metallstaub oder Mischstäube können je nach Zusammensetzung, Partikelgrösse, Feuchtigkeit und Prozess sehr unterschiedliche Eigenschaften besitzen.

Auch mögliche Zündquellen müssen ermittelt werden. Dazu gehören unter anderem Funken, heisse Partikel, elektrostatische Entladungen, mechanische Reibung, überhitzte Lager und ungeeignete elektrische Betriebsmittel.

Keine pauschale Freigabe anhand der Produktbezeichnung

Eine Bezeichnung wie „antistatisch“, „leitfähig“ oder „explosionsgeschützt“ reicht nicht aus, um die Eignung einer gesamten Absauganlage zu bestätigen. Die Anwendung und alle miteinander verbundenen Komponenten müssen fachlich beurteilt werden.

Das Schutzkonzept in fünf Schritten

1

Stoffe bestimmen

Brennbarkeit, Partikelverhalten und weitere Stoffeigenschaften belastbar klären.

2

Freisetzung bewerten

Entstehungsmenge, Konzentration und mögliche Ablagerungen erfassen.

3

Zündquellen ermitteln

Elektrische, mechanische, thermische und elektrostatische Quellen prüfen.

4

Massnahmen festlegen

Vermeidung, Entkopplung, Druckentlastung und Überwachung abstimmen.

5

Betrieb kontrollieren

Reinigung, Wartung, Prüfungen und Änderungen dokumentieren.

Wann können Stäube explosionsfähig sein?

Fein verteilte brennbare Stoffe können zusammen mit Luft eine explosionsfähige Atmosphäre bilden. Voraussetzung ist, dass der Staub in einer geeigneten Konzentration aufgewirbelt wird und gleichzeitig eine wirksame Zündquelle vorhanden ist.

Auch abgelagerter Staub ist relevant. Er kann durch Luftstösse, Reinigungsarbeiten oder eine erste Druckwelle aufgewirbelt werden und dadurch eine weitere Gefährdung verursachen.

Einflussfaktor Bedeutung für die Beurteilung
Stoffzusammensetzung Bestimmt, ob und unter welchen Bedingungen der Staub brennbar oder explosionsfähig sein kann.
Partikelgrösse Feine Partikel besitzen eine grosse Oberfläche und können sich anders verhalten als grobes Material.
Feuchtigkeit Beeinflusst Staubverhalten, Ablagerung und mögliche Zündempfindlichkeit.
Konzentration Eine gefährliche Atmosphäre entsteht nur innerhalb bestimmter stoffabhängiger Konzentrationsbereiche.
Einschluss Filter, Behälter und Rohrleitungen können Druckwirkungen verstärken.
Zündquelle Ohne wirksame Zündquelle kommt es nicht zur Entzündung. Die Vermeidung von Zündquellen bleibt deshalb zentral.
Eine Staubprobe kann erforderlich sein

Sind die sicherheitstechnischen Eigenschaften eines Stoffes nicht bekannt, können belastbare Herstellerdaten oder eine geeignete Untersuchung notwendig sein. Annahmen aufgrund ähnlicher Materialien sind für kritische Entscheidungen nicht ausreichend.

Die drei Ebenen des Explosionsschutzes

Primärer Explosionsschutz

Ziel ist, die Bildung einer explosionsfähigen Atmosphäre möglichst zu vermeiden oder zu begrenzen.

  • Geschlossene Prozesse
  • Gezielte Erfassung
  • Ausreichender Materialtransport
  • Vermeidung kritischer Ablagerungen
  • Kontrollierte Stoffkonzentration

Sekundärer Explosionsschutz

Kann eine gefährliche Atmosphäre nicht sicher ausgeschlossen werden, müssen wirksame Zündquellen vermieden werden.

  • Geeignete elektrische Betriebsmittel
  • Potentialausgleich und Erdung
  • Vermeidung heisser Oberflächen
  • Kontrolle mechanischer Reibung
  • Funken- und Gluteintrag begrenzen

Konstruktiver Explosionsschutz

Lassen sich Atmosphäre und Zündquellen nicht sicher ausschliessen, müssen mögliche Auswirkungen technisch begrenzt werden.

  • Druckentlastung
  • Explosionsunterdrückung
  • Druckfeste Ausführung
  • Flammenlose Entlastung
  • Geeignete Aufstellung

Explosionsentkopplung

Eine Explosion darf sich nicht unkontrolliert über Rohrleitungen, Austrag oder verbundene Maschinen ausbreiten.

  • Rohgasleitung
  • Reingasleitung
  • Materialaustrag
  • Maschinenanschlüsse
  • Verbundene Anlagenbereiche
Die Schutzebenen ergänzen sich

Eine einzelne Massnahme deckt nicht automatisch alle Risiken ab. Zündquellenvermeidung, konstruktiver Schutz, Entkopplung und organisatorische Massnahmen müssen als abgestimmtes Konzept betrachtet werden.

Typische Zündquellen in Absauganlagen

Zündquelle Mögliche Entstehung Wichtiger Prüfpunkt
Funken aus dem Prozess Schleifen, Trennen, Schweissen oder Bearbeitung von Metall Erfassung, Vorabscheidung und Schutztechnik auf Funkeneintrag abstimmen.
Glut oder heisse Partikel Thermische Prozesse oder unvollständig abgekühltes Material Transportweg, Erkennung und sichere Reaktion definieren.
Elektrostatische Entladung Aufladung von Stoffen, Schläuchen, Filtern oder isolierten Komponenten Leitfähigkeit, Erdung und Potentialausgleich gesamthaft prüfen.
Mechanisch erzeugte Funken Fremdkörper, Reibung, schleifende Laufräder oder defekte Lager Materialpaarung, Wartung und Fremdkörperkontrolle beachten.
Heisse Oberflächen Motoren, Lager, Bremsen, Heizungen oder überlastete Komponenten Temperaturgrenzen und Überwachung festlegen.
Elektrische Fehler Lose Verbindungen, Kurzschluss oder ungeeignete Betriebsmittel Auswahl, Installation und Wartung durch Fachpersonen.
Offene Flammen und Rauchen Ungeeignete Arbeiten oder Verhalten im gefährdeten Bereich Organisatorische Regeln und Freigabeverfahren durchsetzen.

Funken und Glut im Absaugsystem

Funken sind nicht in jeder Anwendung automatisch gefährlich. Ihre Relevanz hängt davon ab, welches Medium transportiert wird, wie lang der Transportweg ist, ob Ablagerungen vorhanden sind und wo sich der Funke ansammeln oder Material entzünden kann.

Funkenentstehung vermeiden

Bearbeitungsprozess, Werkzeugzustand und Fremdkörper sollten so kontrolliert werden, dass vermeidbare Funken gar nicht erst entstehen.

Funken erkennen

Bei geeigneten Anwendungen können Detektionssysteme einen Funkeneintrag erkennen und definierte Folgemassnahmen auslösen.

Funken abscheiden

Vorabscheider oder andere technische Einrichtungen können je nach Anwendung den Eintrag in nachfolgende Anlagenbereiche reduzieren.

Folgen begrenzen

Abschaltung, Umleitung, Löschung oder weitere Schutzfunktionen müssen zum Prozess und zum Stoff passen.

Funkenabscheider nicht als universelle Lösung betrachten

Ob eine Einrichtung ausreichend wirksam ist, hängt von Funkenart, Partikelgrösse, Luftgeschwindigkeit, Rohrführung und Medium ab. Ein einzelnes Bauteil ersetzt keine vollständige Risikobeurteilung.

Was bedeutet ESD bei Absauganlagen?

ESD bezeichnet elektrostatische Entladungen. Beim Transport von Staub, Granulaten, Spänen oder Gasströmen können sich Stoffe und Bauteile elektrisch aufladen. Wird die Ladung nicht kontrolliert abgeleitet, kann es zu einer Entladung kommen.

Ob eine solche Entladung gefährlich ist, hängt von der gespeicherten Energie, der Umgebung und der möglichen explosionsfähigen Atmosphäre ab.

Aufladbarer Stoff

Pulver, Granulate und andere bewegte Materialien können beim Kontakt mit Leitungswänden Ladung aufbauen.

Isolierende Bauteile

Kunststoffschläuche, Beschichtungen und Dichtungen können eine kontrollierte Ableitung erschweren.

Isolierte Metallteile

Auch metallische Komponenten können sich aufladen, wenn sie elektrisch nicht zuverlässig verbunden sind.

Entladung

Bei ausreichender Ladung kann ein Potentialausgleich schlagartig erfolgen und eine wirksame Zündquelle bilden.

Erdung und Potentialausgleich

Leitfähige Anlagenkomponenten sollten so verbunden werden, dass gefährliche Potentialunterschiede vermieden und Ladungen kontrolliert abgeleitet werden. Die konkrete Ausführung muss zum Schutzkonzept und zur Anlage passen.

  • Metallische Rohrleitungen elektrisch verbinden
  • Filter- und Ventilatorgehäuse einbeziehen
  • Maschinenanschlüsse berücksichtigen
  • Flexible Übergänge elektrisch überbrücken
  • Beschichtete oder lackierte Kontaktflächen prüfen
  • Dichtungen als mögliche Unterbrechung berücksichtigen
  • Sammelbehälter und Austrag einbeziehen
  • Schläuche nach ihrer tatsächlichen Ausführung beurteilen
  • Erdungsanschlüsse mechanisch sichern
  • Verbindungen regelmässig kontrollieren
  • Messungen und Prüfungen dokumentieren
  • Änderungen am Rohrnetz nachführen
Eine Drahtspirale allein ist kein vollständiger Nachweis

Bei einem Schlauch muss geklärt sein, ob Schlauchwand, Spirale und Anschlüsse für die konkrete Anwendung geeignet und fachgerecht in den Potentialausgleich eingebunden sind.

Schläuche in elektrostatisch kritischen Anwendungen

Flexible Schläuche bestehen häufig aus Kunststoff und können sich beim Materialtransport elektrostatisch aufladen. Die Auswahl darf deshalb nicht allein nach Abriebfestigkeit und Innendurchmesser erfolgen.

Prüfmerkmal Bedeutung
Schlauchwand Material und elektrische Eigenschaften müssen für die Anwendung bekannt sein.
Spirale oder Verstärkung Muss korrekt angeschlossen werden, sofern sie zur Ableitung vorgesehen ist.
Anschlussstellen Schellen, Stutzen und Übergänge dürfen den elektrischen Kontakt nicht unbeabsichtigt unterbrechen.
Bewegung und Verschleiss Beschädigungen können technische und elektrische Eigenschaften verändern.
Medium Staub, Granulat, Fasern oder Späne erzeugen unterschiedliche Belastungen.
Explosionsgefährdung Die Schlauchauswahl muss Teil des gesamten Schutzkonzepts sein.
Schlauch nur bei geklärter Anwendung auswählen

Bei möglicher Explosionsgefahr müssen Stoffeigenschaften, Prozessbedingungen, Leitfähigkeit und Anschlusskonzept eindeutig geklärt sein. Eine allgemeine Produktaussage reicht nicht aus.

Filteranlagen als besonders kritischer Bereich

Im Filter werden feine Partikel konzentriert gesammelt. Gleichzeitig können Filterelemente grosse Oberflächen besitzen und der Filterkuchen kann eine erhebliche Materialmenge enthalten.

  • Stoffeigenschaften vollständig erfassen
  • Filtermedium zur Anwendung auswählen
  • Gehäuse und Aufstellung beurteilen
  • Möglichen Funken- oder Gluteintrag prüfen
  • Abreinigung als Betriebszustand berücksichtigen
  • Staubbehälter und Austrag einbeziehen
  • Entkopplung aller angeschlossenen Leitungen prüfen
  • Druckentlastung oder andere Schutztechnik berücksichtigen
  • Potentialausgleich sicherstellen
  • Ablagerungen ausserhalb der Anlage verhindern
  • Wartungs- und Filterwechselkonzept festlegen
  • Störungs- und Brandfall definieren
Filteraufstellung frühzeitig planen

Aufstellort, angrenzende Arbeitsbereiche, mögliche Druck- und Flammenausbreitung sowie sichere Wartungszugänge müssen bereits während der Anlagenplanung berücksichtigt werden.

Ventilator und mögliche Zündquellen

Ein Ventilator kann mechanische und thermische Zündquellen enthalten. Besonders bei rohgasbeladener Luft müssen Laufrad, Gehäuse, Materialpaarung, Lagerung und mögliche Fremdkörper sorgfältig betrachtet werden.

Mechanische Reibung

Ein schleifendes Laufrad oder eingetragene Fremdkörper können Funken und Wärme erzeugen.

Lagerüberhitzung

Verschleiss, Mangelschmierung oder Überlastung können zu erhöhten Temperaturen führen.

Materialablagerung

Anhaftungen am Laufrad können Unwucht, Reibung und mechanische Belastung verursachen.

Elektrischer Antrieb

Motor, Anschluss und Steuerung müssen zur festgelegten Umgebung und zum Schutzkonzept passen.

Ventilatorposition beeinflusst die Gefährdung

Ein Ventilator vor dem Filter arbeitet mit materialbeladener Luft. Ein Ventilator nach dem Filter befindet sich auf der Reingasseite. Beide Anordnungen müssen im Gesamtsystem beurteilt werden.

Explosionsentkopplung

Rohrleitungen verbinden Filter, Maschinen, Ventilator und weitere Anlagenteile. Ohne geeignete Entkopplung kann sich eine Explosion über diese Verbindungen ausbreiten.

Verbindungsweg Zu klärende Frage
Rohgasleitung Wie wird eine Ausbreitung vom Filter zurück zu Maschinen und Arbeitsbereichen verhindert?
Reingasleitung Kann sich eine Druck- oder Flammenwirkung über den Ventilator oder die Rückluftleitung ausbreiten?
Materialaustrag Wie wird eine Übertragung in Behälter, Silo oder Fördertechnik verhindert?
Maschinenanschluss Sind Maschinen und Bedienbereiche gegen eine Rückwirkung geschützt?
Verbundene Filteranlagen Kann ein Ereignis auf weitere Anlagenbereiche übergreifen?
Eine Rückschlagklappe ist nicht automatisch eine Explosionsentkopplung

Bauart, Einbausituation, Auslösung und Eignungsnachweis müssen zur konkreten Anwendung passen. Ein gewöhnliches Rückschlagelement darf nicht ungeprüft als sicherheitstechnische Entkopplung behandelt werden.

Druckentlastung und Aufstellort

Bei einer Druckentlastung wird der entstehende Explosionsdruck über eine definierte Einrichtung in einen geeigneten Bereich abgeführt. Dabei können Druck, Flammen und unverbranntes Material austreten.

  • Entlastungsrichtung festlegen
  • Gefahrenbereich frei halten
  • Personen- und Verkehrswege berücksichtigen
  • Gebäudeöffnungen und Nachbarbereiche prüfen
  • Witterung und Aussenaufstellung berücksichtigen
  • Rohr- oder Kanalführung fachlich beurteilen
  • Rückstosskräfte berücksichtigen
  • Entkopplung der angeschlossenen Leitungen sicherstellen
  • Regelmässige Sicht- und Funktionskontrolle vorsehen
  • Änderungen am Aufstellort dokumentieren
Entlastung niemals in einen ungeschützten Arbeitsbereich richten

Die mögliche Austrittszone muss als Teil des Schutzkonzepts fachgerecht festgelegt werden. Abstände und bauliche Anforderungen sind anwendungsspezifisch zu bestimmen.

Brandschutz in Absauganlagen

Nicht jedes Brandereignis führt zu einer Explosion. Glimmnester, Ablagerungen oder heisse Partikel können sich über längere Zeit unbemerkt entwickeln und Filter, Behälter oder Rohrleitungen entzünden.

Brandentstehung vermeiden

Zündquellen, Materialablagerungen und ungeeignete Betriebszustände möglichst verhindern.

Brand früh erkennen

Je nach Anwendung können Temperatur-, Rauch-, Funken- oder andere geeignete Überwachungen erforderlich sein.

Ausbreitung begrenzen

Rohrleitungen, Filter und Austrag müssen so betrachtet werden, dass ein Brand nicht unkontrolliert weitergetragen wird.

Sicher reagieren

Abschaltung, Alarmierung, Löschmassnahmen und Verhalten der Mitarbeitenden müssen vorab festgelegt sein.

Staubablagerungen und Reinigung

Ablagerungen auf Maschinen, Trägern, Rohrleitungen, Kabelkanälen oder Gebäudeteilen erhöhen die Brandlast. Bei explosionsfähigen Stäuben können sie zudem durch eine Druckwelle aufgewirbelt werden.

  • Reinigungsbereiche vollständig erfassen
  • Geeignete Reinigungsverfahren festlegen
  • Unkontrolliertes Aufwirbeln vermeiden
  • Druckluft nicht ungeprüft einsetzen
  • Schwer zugängliche Flächen berücksichtigen
  • Ablagerungen an Motoren und Lagern entfernen
  • Rohrleitungen auf innere Ablagerungen prüfen
  • Reinigungsintervalle an Materialmenge anpassen
  • Geeignete Reinigungsgeräte verwenden
  • Gesammelten Staub sicher entsorgen
  • Reinigungsarbeiten dokumentieren
  • Ursache ungewöhnlicher Ablagerungen klären
Saubere Anlage ersetzt keine technische Absaugung

Reinigung begrenzt Ablagerungen, behebt jedoch keine unzureichende Erfassung oder falsche Luftführung. Wiederkehrende starke Ablagerungen weisen auf ein technisches Problem hin.

Prüfung und Wartung sicherheitsrelevanter Komponenten

Schutzkomponenten müssen funktionsfähig bleiben. Verschmutzung, Korrosion, mechanische Beschädigung oder Änderungen an der Anlage können ihre Wirksamkeit beeinträchtigen.

Komponente Kontrollpunkt
Erdungs- und Potentialausgleichsverbindungen Fester Sitz, Korrosion, mechanische Beschädigung und elektrische Durchgängigkeit.
Entkopplungseinrichtungen Einbaulage, Verschmutzung, mechanische Freiheit und Wartungsvorgaben.
Druckentlastung Beschädigung, Korrosion, blockierte Austrittsbereiche und unzulässige Veränderungen.
Detektionssysteme Sensorzustand, Verschmutzung, Signalübertragung und Reaktionsfunktion.
Lösch- oder Unterdrückungssysteme Betriebsbereitschaft, Druck, Füllstand und Prüfintervalle.
Ventilator und Lager Schleifspuren, Temperatur, Schwingung, Unwucht und Ablagerungen.
Filter und Austrag Ablagerungen, Undichtheiten, Materialrückstau und mechanische Schäden.
Schutzkomponenten nicht überbrücken

Störungen an Verriegelungen oder Schutzeinrichtungen dürfen nicht durch dauerhafte Überbrückungen umgangen werden. Die technische Ursache muss geklärt und die Schutzfunktion wiederhergestellt werden.

Organisatorische Schutzmassnahmen

Technische Einrichtungen müssen durch klare betriebliche Regeln ergänzt werden. Mitarbeitende müssen wissen, welche Stoffe verarbeitet werden, welche Arbeiten zulässig sind und wie bei einer Störung zu reagieren ist.

  • Verantwortlichkeiten eindeutig festlegen
  • Mitarbeitende regelmässig instruieren
  • Rauch- und Feuerverbote kennzeichnen
  • Freigabeverfahren für Heissarbeiten definieren
  • Reinigungsabläufe festlegen
  • Wartung nur im sicheren Zustand durchführen
  • Störungen und Alarme eindeutig bewerten
  • Änderungen an Stoffen und Prozessen melden
  • Geeignete Löschmittel und Alarmwege festlegen
  • Notfallabläufe üben
  • Prüfungen und Wartungen dokumentieren
  • Externe Fachpersonen frühzeitig einbeziehen

Änderungen können das Schutzkonzept ungültig machen

Neue Maschinen, andere Stäube, geänderte Rohrleitungen oder zusätzliche Schieber verändern nicht nur die Absaugleistung. Sie können auch Zonen, Stoffkonzentrationen, Zündquellen und die Wirksamkeit von Schutzmassnahmen beeinflussen.

Neues Material

Brennbarkeit, Partikelgrösse und elektrostatische Eigenschaften können sich ändern.

Neue Maschine

Zusätzliche Zündquellen, Luftmengen und Rohrverbindungen müssen berücksichtigt werden.

Umbau des Rohrnetzes

Entkopplung, Potentialausgleich und Materialtransport müssen erneut geprüft werden.

Steuerungsänderung

Verriegelungen, Abschaltungen und Mindestluftmengen können betroffen sein.

Vor der Änderung neu beurteilen

Sicherheitsrelevante Anpassungen sollten nicht erst nach dem Umbau geprüft werden. Auswirkungen auf Brand- und Explosionsschutz müssen bereits in der Planungsphase geklärt sein.

Notwendige Dokumentation

Umfang und Inhalt richten sich nach der konkreten Anlage und Gefährdung. Die Dokumentation muss nachvollziehbar zeigen, welche Stoffe, Betriebszustände und Schutzmassnahmen beurteilt wurden.

  • Beschreibung von Stoffen und Prozessen
  • Vorhandene sicherheitstechnische Stoffdaten
  • Gefährdungsbeurteilung
  • Festgelegte Bereiche und Zonen
  • Ermittelte Zündquellen
  • Technisches Schutzkonzept
  • Rohrnetz- und Anlagenplan
  • Angaben zu Filter und Ventilator
  • Entkopplungs- und Entlastungskonzept
  • Erdungs- und Potentialausgleichskonzept
  • Steuerungs- und Verriegelungslogik
  • Prüf- und Wartungsintervalle
  • Verantwortlichkeiten
  • Notfall- und Alarmabläufe
  • Nachweise durchgeführter Prüfungen
  • Dokumentierte Änderungen

Wann ist eine spezialisierte Fachplanung erforderlich?

  • Brennbare oder explosionsfähige Stäube
  • Unbekannte oder wechselnde Stoffgemische
  • Feine Metallstäube
  • Funken- oder Gluteintrag aus dem Prozess
  • Filteranlagen mit grösseren Staubmengen
  • Geplante Luftrückführung
  • Mehrere verbundene Maschinen oder Anlagen
  • Silolagerung oder pneumatischer Materialtransport
  • Konstruktiver Explosionsschutz
  • Explosionsentkopplung
  • Unklare elektrostatische Verhältnisse
  • Änderung einer bestehenden Schutzanlage
Diese Seite ersetzt keine Explosionsschutzbeurteilung

Die Inhalte bieten eine allgemeine Orientierung. Eine konkrete Einstufung, Zoneneinteilung oder Auslegung von Schutzmassnahmen muss durch entsprechend qualifizierte Fachpersonen anhand der tatsächlichen Anlage erfolgen.

Häufige Fehler bei ATEX, ESD und Brandschutz

Fehler Mögliche Folge
Stoff ohne belastbare Daten als unkritisch einstufen Brand- oder Explosionsgefahr wird nicht erkannt.
Nur einzelne Komponenten betrachten Übertragung über Rohrnetz, Austrag oder Maschinen bleibt unberücksichtigt.
Antistatischen Schlauch mit sicherer Anlage gleichsetzen Erdung, Anschlüsse und weitere Aufladungsquellen werden nicht geprüft.
Metallisches Rohr automatisch als geerdet betrachten Isolierte Teilstücke und unterbrochene Verbindungen bleiben unentdeckt.
Funkenabscheider als alleinigen Schutz einsetzen Weitere Zündquellen und Explosionsauswirkungen bleiben bestehen.
Druckentlastung in einen Arbeitsbereich richten Personen können durch Druck, Flammen oder Material gefährdet werden.
Entkopplung nicht berücksichtigen Ereignis kann sich auf Maschinen und weitere Anlagenteile ausbreiten.
Staubablagerungen tolerieren Zusätzliche Brandlast und mögliche sekundäre Staubaufwirbelung.
Schutzfunktionen überbrücken Anlage wird ohne vorgesehene Sicherheitswirkung betrieben.
Prozessänderungen nicht neu beurteilen Das bestehende Schutzkonzept passt nicht mehr zur Anwendung.

Benötigte Angaben für eine erste technische Einordnung

  • Genaue Stoff- und Materialbezeichnung
  • Sicherheitsdatenblätter und vorhandene Stoffdaten
  • Partikelgrösse und Staubanteil
  • Materialtemperatur und Feuchtigkeit
  • Bearbeitungs- oder Entstehungsprozess
  • Mögliche Funken oder heisse Partikel
  • Erwartete Materialmenge
  • Volumenstrom und Rohrdurchmesser
  • Rohrleitungs- und Anlagenplan
  • Filter- und Abscheiderbauart
  • Ventilatorposition
  • Materialaustrag und Sammelbehälter
  • Vorhandene Erdung und Potentialausgleich
  • Verwendete Schläuche und flexible Übergänge
  • Aufstellort der Anlage
  • Vorhandene Schutz- und Überwachungseinrichtungen
  • Geplante Luftrückführung
  • Bereits vorhandene Gefährdungsbeurteilung

Sie möchten eine Anwendung technisch einordnen?

Senden Sie uns Angaben zum Stoff, zum Prozess, zur Materialmenge und zur geplanten Absauganlage. Wir unterstützen Sie bei der Auswahl geeigneter Komponenten und zeigen auf, welche sicherheitstechnischen Fragen vor der weiteren Planung durch qualifizierte Fachpersonen geklärt werden müssen.

Häufige Fragen zu ATEX, ESD und Brandschutz

Ist jeder brennbare Staub automatisch explosionsfähig?

Nicht unter allen Bedingungen. Ob eine explosionsfähige Atmosphäre entstehen kann, hängt unter anderem von Stoffeigenschaften, Partikelgrösse, Konzentration, Aufwirbelung und vorhandenen Zündquellen ab. Die konkrete Anwendung muss fachlich beurteilt werden.

Was bedeutet ATEX bei einer Absauganlage?

ATEX wird im Zusammenhang mit explosionsfähigen Atmosphären und dafür vorgesehenen Schutzmassnahmen beziehungsweise Betriebsmitteln verwendet. Für eine Absauganlage ist entscheidend, ob eine Explosionsgefährdung besteht und wie das gesamte System geschützt wird.

Reicht ein als explosionsgeschützt gekennzeichneter Ventilator aus?

Nein. Auch Rohrnetz, Filter, Austrag, Entkopplung, Potentialausgleich, Aufstellort und mögliche Zündquellen müssen berücksichtigt werden. Eine einzelne geeignete Komponente ersetzt kein vollständiges Schutzkonzept.

Ist ein Metallschlauch automatisch für jede ATEX-Anwendung geeignet?

Nein. Werkstoff, Konstruktion, Temperatur, mechanische Belastung, Anschluss und Potentialausgleich müssen zur konkreten Anwendung passen. Auch ein Metallschlauch muss technisch beurteilt und korrekt eingebunden werden.

Was ist der Unterschied zwischen Erdung und Potentialausgleich?

Der Potentialausgleich verbindet leitfähige Teile, damit zwischen ihnen keine gefährlichen Spannungsunterschiede entstehen. Die Erdung stellt eine kontrollierte Verbindung zum Erdpotential her. Die konkrete Ausführung muss fachgerecht geplant und geprüft werden.

Reicht die Drahtspirale eines Kunststoffschlauchs zur Ableitung aus?

Nicht automatisch. Es muss geklärt sein, welche elektrischen Eigenschaften Schlauchwand und Spirale besitzen und wie die Spirale an beiden Enden angeschlossen wird. Die Eignung ist Teil des gesamten Schutzkonzepts.

Was ist eine Explosionsentkopplung?

Eine Explosionsentkopplung soll verhindern, dass sich eine Explosion über Rohrleitungen, Materialaustrag oder andere Verbindungen auf weitere Anlagenteile ausbreitet. Die geeignete Technik hängt von Anlage, Stoff und Einbausituation ab.

Muss das Schutzkonzept nach einem Umbau erneut geprüft werden?

Ja, wenn sich Stoffe, Maschinen, Rohrleitungen, Filter, Betriebszustände oder Schutzkomponenten ändern. Solche Anpassungen können Zonen, Zündquellen und die Wirksamkeit vorhandener Schutzmassnahmen beeinflussen.

Sie haben Fragen?
Rufen Sie uns gerne an.

+41 41 787 08 52 info@absaugtechnik.ch