Wissenscenter › Schnellstart zur passenden Lösung · Kapitel 2/16
Schnellstart zur passenden Lösung – in 10 Minuten zur richtigen Richtung
Dieses Kapitel ist dein pragmatischer Einstieg: Du musst nicht zuerst alles über Volumenstrom, Nennweiten (NW) und Filterklassen wissen, um eine gute erste Systementscheidung zu treffen. Wenn du die folgenden Schritte sauber durchgehst, kannst du in wenigen Minuten klären, ob du eher eine mobile oder stationäre Lösung brauchst, ob Einzelplatz oder Zentralanlage Sinn macht – und welche Informationen für die Detailplanung wirklich relevant sind.
1) Was entsteht bei deinem Prozess?
Der erste Filter ist nicht technisch, sondern logisch: Was genau muss weg? Davon hängen Erfassung, Filtertechnik, Materialwahl und Sicherheitskonzept ab.
- Stäube/Späne/Fasern: Holz, Metall, Kunststoff, Textil, Papier, Glas/Stein (abrasiv) – meist Partikelabscheidung.
- Rauch/Feinstaub: Schweissrauch, Schneidrauch, feines Schleifen – häufig hohe Anforderungen an Erfassung und Filterfeinheit.
- Dämpfe/VOCs/Gerüche: Lösemittel, Chemie, Kleber, Lack – oft Aktivkohle/mehrstufige Konzepte, Fortluft/Umluft prüfen.
- Gemischte Medien: z. B. Staub + Dämpfe – erfordert saubere Trennung und klare Filterstrategie.
2) Wo willst du erfassen – direkt an der Quelle oder „im Raum“?
Der grösste Hebel ist die Erfassung. Je näher und gerichteter du erfasst, desto weniger Luftmenge brauchst du – und desto stabiler wird das System.
- Direkt an der Quelle (Ideal): Absaugarm, Haube, Tisch, Kabine – hohe Wirkung bei moderatem Volumenstrom.
- Teilumschliessung: Kabinen/Einhausungen – sehr effektiv, oft auch leiser und sauberer.
- Raumabsaugung (meist nur Ergänzung): wenn die Quelle nicht kontrollierbar ist; erfordert grosse Luftmengen und gute Nachströmung.
Wenn du hier unsicher bist, starte mit typischen Erfassungslösungen: Erfassungselemente.
3) Mobil oder stationär – die schnelle Systemwahl
A) Mobile Absaugung ist meist richtig, wenn …
- du wechselnde Arbeitsplätze hast oder nur punktuell absaugst (z. B. Service, Montage, kleine Werkstattzonen).
- du schnell eine Lösung brauchst, ohne Rohrnetz-Projekt.
- du einen einzelnen Prozess mit klarer Erfassung abdecken willst.
- du zuerst testen willst, wo und wie du am besten erfasst.
B) Stationär ist meist richtig, wenn …
- du mehrere Arbeitsplätze hast oder dauerhaft absaugst.
- du hohe Luftmengen brauchst (Tische, Kabinen, Mehrplatz).
- du gleichbleibende Prozesse hast und eine saubere Integration willst.
- du Wert auf zentrale Wartung, klare Abläufe und Skalierbarkeit legst.
4) Einzelplatz oder Zentralanlage?
Diese Entscheidung ist oft der Kern in B2B-Umgebungen. Sie hängt weniger an „Budgetgefühl“ als an Nutzung, Gleichzeitigkeit und Layout.
Einzelplatzlösung passt, wenn …
- Arbeitsplätze weit auseinander liegen (lange Leitungswege wären sonst unverhältnismässig).
- Prozesse sehr unterschiedlich sind (andere Medien/Filterkonzepte).
- du klare Verantwortlichkeit pro Station willst (Filterzustand, Bedienung).
Zentralanlage passt, wenn …
- mehrere Plätze im gleichen Bereich liegen und ein Rohrnetz sinnvoll ist.
- du gleichartige Medien hast (z. B. Holzstaub in der Werkstatt, Schleifstaub in der Metallbearbeitung).
- du Wartung bündeln willst (ein Filter, eine Entsorgung, zentrale Überwachung).
- du später skalieren willst (weitere Abzweige/Arbeitsplätze).
Zentralanlagen leben von sauberem Abgleich, Zonen und Regelung. Wenn das Thema bei dir relevant ist: Ventilatoren & Steuerungen.
5) Umluft oder Fortluft – der Kurzentscheid
Diese Frage ist nicht „nice to have“. Sie beeinflusst Filterkonzept, Energiebedarf, Nachströmung und oft auch rechtliche Vorgaben.
- Umluft ist interessant, wenn du Heizenergie sparen willst und das Medium sauber filtrierbar/überwachbar ist.
- Fortluft ist oft die sichere Wahl bei Gerüchen/Dämpfen oder wenn Umluft betrieblich unerwünscht ist – du brauchst dann Nachströmung.
6) Welche Filtertechnik brauchst du – grob richtig auswählen
Filtertechnik wird oft zu spät gedacht („ist halt ein Filter drin“). Für die richtige Richtung reicht eine grobe Einordnung:
- Späne/grobe Stäube: Vorabscheidung + Standardfilter (Standzeit/Entsorgung im Blick).
- Feinstaub/Schweissrauch: feinere Filterung, stabile Erfassung, oft höhere Anforderungen an Dichtheit und Überwachung.
- Dämpfe/VOCs: meist Aktivkohle/mehrstufige Lösungen, Fortluft/Umluft konsequent prüfen.
- Abrasive Medien: Schutz vor Verschleiss (Materialwahl, Strömungsführung, geeignete Komponenten).
Vertiefung: Abscheider, Filter & Filtertechnik.
7) Der 10-Minuten-Check: Welche Daten brauche ich für den nächsten Schritt?
Wenn du bis hierhin gekommen bist, kannst du in der Regel schon sagen: mobil vs. stationär, Einzelplatz vs. Zentralanlage, Umluft vs. Fortluft. Für die Auslegung braucht es jetzt eine kurze, saubere Datensammlung.
- Medium: Staub/Späne/Rauch/Dämpfe, Temperatur, Feuchte, Besonderheiten (abrasiv, klebrig, kritisch).
- Arbeitsplätze: Anzahl, Standorte, realistische Gleichzeitigkeit.
- Erfassung: Erfassungstyp und Abstand zur Quelle (Fotos helfen enorm).
- Layout: grobe Skizze von Leitungswegen/Platz für Filter/Entsorgung.
- Randbedingungen: Lärmempfindlichkeit, Umluft/Fortluft, Nachströmungsmöglichkeiten.
- Sicherheit: Hinweise auf brennbare Stäube/Dämpfe oder Funken (ATEX/ESD früh klären).
FAQ
Was ist die häufigste falsche Abzweigung im Schnellstart?
„Ich nehme einfach etwas Stärkeres.“ Ohne Erfassung und Systemlogik führt das fast immer zu mehr Lärm, mehr Strom und wenig Wirkung.
Der bessere Weg ist: Erfassung klären, Nutzung/Gleichzeitigkeit realistisch erfassen, dann erst Dimensionierung.
Kann ich erst mobil starten und später stationär ausbauen?
Ja – wenn du mobil nutzt, um Erfassung und reale Nutzung zu testen. Entscheidend ist, dass du früh dokumentierst,
welche Luftmengen du pro Stelle wirklich brauchst und wie oft mehrere Stellen gleichzeitig laufen.
Wann wird eine Zentralanlage ineffizient?
Wenn Medien stark variieren, Leitungswege sehr lang sind oder Gleichzeitigkeit praktisch 100 % ist (dann brauchst du
ohnehin dauerhaft hohe Leistung). In solchen Fällen können dezentrale Lösungen sinnvoller sein.
Warum spielt Nachströmung schon im Schnellstart eine Rolle?
Weil jede abgesaugte Luft nachströmen muss. Ohne Zuluft/ Nachströmung bricht die Wirkung in der Praxis ein – unabhängig davon,
wie gut Ventilator und Filter auf dem Papier sind. Einstieg:
Nachströmung & Hallenluftbilanz.
Was, wenn ich nicht sicher bin, ob ich Dämpfe/VOCs habe?
Dann ist die sichere Vorgehensweise: Prozess und eingesetzte Stoffe sammeln (z. B. Sicherheitsdatenblätter),
Geruchs-/Beschwerdenlage aufnehmen und das Filter-/Fortluftkonzept früh klären. Im Zweifel lieber zu Beginn sauber abklären
als später teuer nachrüsten.
Welche Seite ist die richtige, wenn ich bereits konkrete Probleme habe?
Wenn Leistung schwankt, Filter schnell voll ist oder es unerklärliche Geräusche/Verstopfungen gibt:
Troubleshooting & FAQ.
Absaugtechnik Schweiz GmbH | Wissenscenter | Schnellstart zur passenden Lösung | Stand: Januar 2026
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