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WissenscenterBetriebsüberwachung & Wartung · Kapitel 10/16

Betriebsüberwachung & Wartung – stabile Saugleistung, planbare Kosten, weniger Stillstand

Eine Absauganlage ist kein “Einmalprojekt”, sondern ein System, das im Betrieb altert: Filter beladen sich, Leitungen verschmutzen, Dichtungen verlieren Spannung, Schieberstellungen werden “mal schnell” verändert und Erfassungselemente werden im Alltag anders genutzt als geplant. Genau hier entscheidet sich, ob die Anlage dauerhaft wirkt oder schleichend Leistung verliert.

Dieses Kapitel zeigt Ihnen, wie Sie die Anlage mit wenigen, klaren Kennzahlen im Griff behalten – und Wartung so organisieren, dass sie vorhersehbar ist. Ziel: konstante Absaugwirkung, weniger Energieverlust, weniger Reklamationen und eine klare Diagnosebasis, wenn etwas nicht passt.

Merksatz: Wer nicht misst, wartet “blind”. Wer nur wartet, wenn es stinkt oder staubt, bezahlt doppelt – mit Energie, Ausfallzeit und Gesundheitsschutz. Grundlage aus der Umsetzung: Installation & Inbetriebnahme.

1) Die drei wichtigsten Betriebs-Kennzahlen (KPI) im Alltag

Sie können eine Absauganlage mit sehr wenigen Messgrössen zuverlässig überwachen. Entscheidend ist nicht “viel Sensorik”, sondern konsequente Referenzwerte und klare Grenzwerte.

1.1 Filter-Differenzdruck (Δp Filter) – der Frühwarnsensor

Der Filter-Differenzdruck ist die zentrale Zustandsanzeige. Er zeigt, ob der Filter “frei atmet” oder der Ventilator gegen Widerstand arbeitet. Wichtig ist nicht nur der absolute Wert, sondern die Entwicklung über Zeit.

  • Baseline: Δp im sauberen Zustand nach Inbetriebnahme dokumentieren.
  • Trend: steigt Δp schneller als üblich, stimmt häufig etwas im Betrieb nicht (z. B. falsche Reinigung, zu viel Feinstaub, Leckage).
  • Grenzwerte: sinnvoll definieren (Vorwarnung / Alarm / Abschaltkriterium – je nach Filterkonzept).

Vertiefung, Filtertypen und typische Ursachen: Abscheider, Filter & Filtertechnik.

1.2 Unterdruck / Systemdruck an einem festen Messpunkt

Ein definierter Druckmesspunkt im Hauptstrang (oder vor dem Filter) liefert eine einfache Aussage: “Hat das System heute die gleiche ‘Kraft’ wie im Referenzzustand?” Das ist besonders wichtig bei Mehrplatzanlagen, weil Luftverteilung und Schieberstellungen den Zustand stark beeinflussen.

  • Ein Messpunkt reicht oft: Hauptstrang oder definierte Messstelle vor dem Filter.
  • Vergleichbarkeit: Messung unter vergleichbaren Bedingungen (z. B. “3 Plätze offen, FU auf Regelziel X”).
  • Abweichungen interpretieren: Unterdruck “zu hoch” kann auf Verstopfung/Δp-Anstieg hindeuten, “zu tief” auf Leckage oder offene Nebenluft.

1.3 Luftmenge / Erfassungsleistung am kritischen Arbeitsplatz

Am Ende zählt nicht der Ventilator, sondern die Wirkung an der Quelle. Definieren Sie daher 1–3 kritische Referenzstellen (z. B. “letzter Arm”, “staubintensiver Arbeitsplatz”, “Kabine”) und prüfen Sie dort in sinnvollen Intervallen die Leistung.

  • Referenzstellen: bewusst wählen – dort, wo die Anlage zuerst “schwach” wird.
  • Messlogik: immer gleiche Schieberstellungen/Nutzungszustände (sonst sind Werte wertlos).
  • Praxis: Wenn Referenzstelle stabil ist, sind 80 % der Probleme früh erkannt.

2) Typische Frühwarnsignale – bevor es sichtbar wird

Viele Probleme kündigen sich an, lange bevor “Staubwolke” oder “Geruch” entsteht. Wer diese Signale ernst nimmt, verhindert Notfälle und spart Energie.

  • Δp Filter steigt schneller als gewohnt: mehr Feinstaub, Filterreinigung ineffektiv, Vorabscheider fehlt/defekt.
  • Saugleistung schwankt: Nachströmung instabil, Schieberstellungen verändert, FU-Regelung falsch parametriert.
  • Geräusch nimmt zu: Strömungsgeschwindigkeit zu hoch, Leckagepfeifen, Lager/Vibrationen, Resonanz im Rohrnetz.
  • Staubablagerungen im Rohrnetz: Transportgeschwindigkeit zu niedrig, NW zu gross, zu viele horizontale Strecken, falsche Nutzung.
  • Filter setzt sich “schlagartig” zu: Feuchte/klebrige Medien, Funken, falsches Filtermedium oder fehlender Vorabscheider.

Wenn Sie systematisch eingrenzen möchten: Troubleshooting & FAQ.

3) Wartung nach Systembausteinen – was wirklich zählt

Gute Wartung ist modular: Sie prüfen die Bausteine, die den Betrieb dominieren, und dokumentieren die wenigen Kennwerte, die später Diagnose ermöglichen.

3.1 Erfassung (Hauben, Absaugarme, Tische, Kabinen)

  • Mechanik: Gelenke, Federn, Feststeller, Halterungen – Absaugarme müssen “bleiben”, wo man sie hinsetzt.
  • Geometrie: Positionierung im Alltag – wird die Erfassung überhaupt korrekt genutzt?
  • Verschleiss: Kanten, Dichtlippen, Haubenöffnungen – falsche Öffnung verändert Strömung.

Vertiefung: Erfassungselemente.

3.2 Rohrnetz (Leckage, Ablagerung, Schieber/Regelorgane)

  • Leckage-Check: Sichtkontrolle, auffällige Geräusche, “Nebenluft”-Indikatoren.
  • Ablagerungen: besonders in horizontalen Strecken, nach Bögen, bei zu geringer Geschwindigkeit.
  • Schieber/Klappen: Stellungen kontrollieren und markieren – “kleine” Änderungen ruinieren den Abgleich.
  • Reinigung/Revision: Zugänge nutzen, wenn Medien Ablagerungen begünstigen.

Vertiefung: Rohrleitungen & Montage.

3.3 Abscheider & Filter (Behälter, Medien, Reinigung)

  • Behälter/Entsorgung: Füllstand, Dichtheit, korrekter Sitz – falscher Sitz = Nebenluft, weniger Wirkung.
  • Filterelement: Zustand, Reinigungsfunktion, Wechselstrategie (nicht zu spät).
  • Filtermedium passend?: Klebrige/feuchte Medien brauchen oft anderes Konzept als trockene Stäube.
  • Δp-Logik: Baseline, Grenzwerte, Trend – als Routine.

3.4 Ventilator & Antrieb (Lager, Vibration, Kennlinie)

  • Geräusch/Vibration: Lager, Unwucht, Befestigung – früh prüfen, bevor es zum Schaden wird.
  • Stromaufnahme: Abweichungen können auf falschen Betriebspunkt oder Widerstandsänderungen hindeuten.
  • Reinigung: je nach Medium kann sich Material am Laufrad ablagern (Unwucht, Leistungseinbruch).

Vertiefung: Ventilatoren & Steuerungen.

3.5 Nachströmung / Zuluft (oft übersehen)

Unterdruck in der Halle verfälscht alles: Erfassung wird schlechter, Türen “kleben”, es zieht – und die Anlage wirkt “schwach”, obwohl sie technisch korrekt läuft. Deshalb Zuluft-/Nachströmung im Betrieb regelmässig prüfen, besonders bei saisonalen Änderungen (Winterbetrieb, geschlossene Tore).

Vertiefung: Nachströmung & Hallenluftbilanz.

4) Wartungsrhythmus: sinnvoll statt “irgendwann”

Ein wartungsfähiger Betrieb ist eine Mischung aus Routine und zustandsbasierter Wartung. Je nach Staubart, Betriebsdauer und Filterkonzept variieren Intervalle stark – daher: Rhythmus in Ebenen denken.

4.1 Täglich / Wöchentlich (kurz, visuell)

  • Erfassung: Positionierung, Schäden, Blockaden
  • Behälter: Sitz, Füllstand, Dichtheit
  • Δp-Check: kurzer Blick – ist der Wert plausibel?
  • Auffällige Geräusche/Vibrationen melden

4.2 Monatlich / Quartalsweise (mit kurzem Protokoll)

  • Referenzmessung an 1–3 kritischen Arbeitsplätzen (Vergleich zum Baseline-Wert)
  • Schieber-/Klappenstellung kontrollieren und ggf. wieder “auf Soll” bringen
  • Rohrnetz-Sichtprüfung auf Leckage/Ablagerung an bekannten Problemstellen
  • Ventilator: Befestigung, Geräusch, ggf. Stromaufnahme trendbasiert

4.3 Jährlich (Strategie & Prävention)

  • Gesamtcheck: Betriebspunkt, Δp-Entwicklung, Filterstrategie, Ersatzteilplanung
  • Reinigung/Revision dort, wo Ablagerungen zu erwarten sind
  • Überprüfung Sicherheit/Brandschutz (je nach Medium/Prozess)
  • Optimierung: Effizienzpotenziale, FU-Parameter, Zonenlogik

5) Ersatzteile & Zubehör: Stillstand minimieren

Viele Ausfälle sind nicht “komplex”, sondern logistisch: Dichtung fehlt, Filterelement ist nicht verfügbar, eine Schlauchstrecke ist gerissen, ein Schieber klemmt. Wer hier vorausschauend plant, reduziert Stillstand drastisch.

  • kritische Teile definieren: Filterelemente, Dichtungen, Schläuche, Verschleissteile an Erfassung/Arm
  • Wechselstrategie: nicht “auf Null fahren”, sondern nach Δp/Trend wechseln
  • Dokumentation: Artikel/Typen klar erfassen, damit Nachbestellung schnell geht

Vertiefung: Ersatzteile & Zubehör.

Weiter zu: Ersatzteile & Zubehör – welche Teile sich lohnen vorzuhalten, wie Sie Stillstand vermeiden und Nachbestellung beschleunigen.

FAQ

Was ist der wichtigste Messwert im Alltag?
In den meisten Anlagen ist es der Filter-Differenzdruck (Δp). Er zeigt den Filterzustand, wirkt direkt auf Energieverbrauch und Saugleistung und liefert ein klares Frühwarnsignal.

Warum sinkt die Saugleistung schleichend, obwohl der Ventilator läuft?
Häufig ist es eine Kombination aus Filterbeladung, Leckagen, veränderten Schieberstellungen und Ablagerungen im Rohrnetz. Ohne Baseline-Werte wirkt es wie “mysteriöser Leistungsabfall”, ist aber meist klar messbar.

Wie verhindere ich, dass Mehrplatzanlagen “unfair” verteilen?
Abgleich konsequent dokumentieren (Schieberstellungen), in festen Intervallen kontrollieren und bei Änderungen wieder auf Soll bringen. Zusätzlich stabilisiert eine sinnvolle Zonenlogik mit FU-Regelung das System.

Wann sollte ich Filter wechseln – nach Zeit oder nach Zustand?
Wenn möglich zustandsbasiert (Δp/Trend). Zeitbasierte Intervalle sind nur ein grober Ersatz, weil Staubmenge und Betriebsprofil stark variieren.

Was gehört in ein Wartungsprotokoll, damit es später wirklich hilft?
Baseline-Werte (Δp sauber, Unterdruck-Messpunkt, Referenzmessungen an 1–3 Erfassungen), Schieberstellungen, Datum/Anlass von Eingriffen, Wechsel von Filterelementen und auffällige Beobachtungen (Geräusch, Vibration, Geruch).

Absaugtechnik Schweiz GmbH | Wissenscenter | Betriebsüberwachung & Wartung | Stand: Januar 2026
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