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WissenscenterErsatzteile & Zubehör · Kapitel 11/16

Ersatzteile & Zubehör – Verfügbarkeit sichern, Stillstand vermeiden, Leistung erhalten

In der Praxis scheitert Betriebssicherheit selten an “grossen” Komponenten – sondern an Kleinteilen: ein fehlender Filtereinsatz, eine undichte Dichtung, ein gerissener Schlauch, eine defekte Klappe oder ein Sensor, der falsche Werte liefert. Wer Ersatzteile strategisch behandelt, reduziert Stillstandszeiten und hält die Absaugwirkung stabil – ohne Überlager und ohne unnötige Kosten.

Dieses Kapitel zeigt Ihnen, wie Sie Ersatzteile und Zubehör so organisieren, dass Sie im Alltag schnell reagieren können: Was gehört zwingend auf Lager, welche Teile reichen “auf Abruf”, und wie stellen Sie sicher, dass das richtige Teil ohne Rätselraten identifiziert wird?

Wichtig: Ersatzteilplanung ist Teil der Wartungsstrategie. Wenn Sie noch keine Baseline-Werte und eine klare Routine haben, starten Sie mit: Betriebsüberwachung & Wartung.

1) Die Ersatzteil-Logik: kritische Teile erkennen statt “alles lagern”

Gute Ersatzteilhaltung ist nicht maximal, sondern intelligent. Dafür braucht es eine simple Einstufung: Kritikalität (führt Ausfall sofort zu Stillstand?) und Verfügbarkeit (Lieferzeit, Sonderteil?). Daraus entsteht ein Lagerplan, der funktioniert – ohne zu eskalieren.

1.1 ABC nach Betriebsauswirkung

  • A-Teile (kritisch): Anlage steht oder Absaugwirkung bricht sicherheitsrelevant ein (Filterelement, Dichtungen an Behältern, Schläuche an kritischen Stellen, zentrale Sensorik/Regelkomponenten).
  • B-Teile (wichtig): Anlage läuft weiter, aber mit Einschränkungen/Mehrkosten (Schieber, Klappenantriebe, Druckdifferenzsensor, Anzeigen/Bedienteile, Nebenaggregate).
  • C-Teile (komfort/optisch): keine unmittelbare Betriebswirkung (Abdeckungen, Halter, nicht-kritische Schrauben/Clips).

1.2 “Zwei Fragen”, die sofort Klarheit schaffen

  • Was stoppt die Anlage innerhalb von 24 Stunden? → A-Teile definieren.
  • Was hat lange Lieferzeiten oder ist spezifisch? → mindestens “auf Abruf” sichern.

2) Ersatzteile je Systembaustein – was typischerweise wirklich gebraucht wird

Ersatzteile und Zubehör ergeben Sinn, wenn sie entlang der Systembausteine strukturiert sind. Damit ist sofort klar: “Wo ist das Teil verbaut?”, “Welcher Ausfall betrifft mich?” und “Welches Teil muss ich bestellen?”.

2.1 Erfassung (Absaugarme, Hauben, Tische, Kabinen)

  • Verschleissteile: Dichtlippen, Kanten-/Düsenelemente, flexible Adapter, Schlauchstücke direkt an der Erfassung.
  • Mechanik: Gelenkkomponenten, Federn, Feststeller, Friktionsscheiben, Halterungen.
  • Zubehör: Magnetfüsse, Wand-/Deckenhalter, Verlängerungen, Reduktionen (NW-Übergänge), Schutzgitter.

Hintergrund zur Wirkung und korrekten Nutzung: Erfassungselemente.

2.2 Schlauchstrecken & flexible Anschlüsse

  • Schläuche (kritisch): an beweglichen Stellen und an Arbeitsplätzen – hier entstehen die meisten Schäden durch Knick, Abrieb, Zug.
  • Anschlusszubehör: Schellen, Dichtungen, Adapterstücke, Schnellkupplungen (falls im Einsatz).
  • Schutz: Knickschutz, Scheuerschutz, Aufhängungen/Führungen gegen Zugbelastung.

2.3 Rohrnetz (Dichtheit, Schieber, Übergänge)

  • Dichtungen: Flansch-/Muffendichtungen, Dichtbänder, Abdichtmaterial an Revisionen.
  • Schieber/Klappen: Dichtlippen, Achsen, Stellhebel/Arretierungen, ggf. Antriebe bei Automatik.
  • Übergänge/Adapter: NW-Übergänge, Anschlussstutzen, Revisionsstücke.
  • Montagematerial: Spannringe, Schellen, Aufhängungen, Konsolen, Schwingungsentkopplung.

Montage- und Systemlogik: Rohrleitungen & Montage.

2.4 Abscheider & Filtertechnik (der Klassiker)

  • Filterelemente: Patronen, Taschen, Platten – je nach System.
  • Dichtungen am Filter/Behälter: absolut kritisch, weil Nebenluft Leistung frisst und Staub austragen kann.
  • Reinigung: Ventile, Schläuche, Düsen, Druckluftkomponenten (bei Abreinigungssystemen).
  • Behälter/Zubehör: Auffangbehälter-Dichtungen, Spannverschlüsse, Räder (bei mobilen Einheiten).

Filterauslegung, Δp-Logik und Ursachen: Abscheider, Filter & Filtertechnik.

2.5 Ventilator & Steuerung (weniger Teile, aber oft “langfristig”)

  • Antrieb: Keilriemen (falls vorhanden), Lager (bei Wartungsintervallen relevant), Kupplungselemente.
  • Schwingung/Entkopplung: Gummipuffer, Schwingungsdämpfer, flexible Verbinder.
  • Regelung: FU-Komponenten (nach System), Sensorik (Δp, Druck, ggf. Volumenstrom), Bedien-/Anzeigeeinheiten.

Details zu Regelung und Betriebspunkt: Ventilatoren & Steuerungen.

3) Welche Teile sollte man wirklich auf Lager halten?

Für die meisten Betriebe funktioniert ein pragmatischer Ansatz: kleines Lager für A-Teile, klar definierte Nachbestellwege für B-Teile, und C-Teile nur bei Bedarf. Entscheidend ist, dass Sie die Teile eindeutig identifizieren können.

3.1 Minimal-Lager (typisch sinnvoll)

  • Filterelement(e): mindestens 1 Satz, wenn Betrieb kritisch ist oder Lieferzeit schwankt.
  • Dichtungen: Behälter-/Filterdichtungen, kritische Rohrnetz-Dichtungen.
  • Schlauchstücke: an beweglichen/beanspruchten Stellen in passender NW und Länge.
  • Schellen/Adapter: Standard-Schellen und 1–2 gängige Übergänge (NW-Adapter), wenn häufig umgebaut wird.
  • Schieber-/Klappenteile: wenn Abgleich kritisch ist oder der Betrieb hohe Staubbelastung hat.

3.2 Auf Abruf / definierter Lieferweg

  • Sensorik/Regelkomponenten (Δp-Sensor, Anzeige), sofern schnell lieferbar oder Ersatzgerät verfügbar
  • Ventilator-nahe Teile (Entkopplung, flexible Verbinder), wenn spezielle Abmessungen vorliegen
  • Spezielle Filtermedien (HEPA/Aktivkohle), die nicht “Standard” sind
Praxisregel: Wenn ein Teil die Anlage stoppt oder die Absaugwirkung sicherheitsrelevant reduziert, und die Lieferzeit unklar ist, gehört es in den A-Bereich – entweder als Lagerteil oder als verbindlich gesicherter Abruf.

4) Teile eindeutig identifizieren – damit Bestellungen “sauber” sind

Die häufigste Ursache für Verzögerungen ist nicht die Lieferzeit, sondern die Unklarheit: “Welches Teil genau?”. Mit einer einfachen Identifikationsroutine sparen Sie massiv Zeit.

4.1 Die 6 Angaben, die eine Anfrage sofort beschleunigen

  • System/Komponente: z. B. Filteranlage / Ventilator / Absaugarm / Schieber
  • Typ/Serie: Typenschild, Modellbezeichnung, ggf. Hersteller/Artikelcode
  • Abmessungen: Nennweite (NW), Anschlussart, Länge, Lochbild etc.
  • Baujahr/Revision: falls Ausführung über die Jahre geändert wurde
  • Foto(s): Gesamtansicht + Detail (Anschluss, Typenschild, defekter Bereich)
  • Symptom: “undicht”, “klemmt”, “Δp steigt”, “Arm hält Position nicht”

4.2 “Parts-Map”: einmal sauber, danach immer schnell

Wenn Sie mehrere Anlagen oder ein grosses Rohrnetz haben, lohnt sich eine einfache “Parts-Map”: eine Liste mit den kritischen Komponenten inkl. Foto, Typdaten, NW und Bestellnummern. Das muss kein komplexes System sein – ein sauber gepflegtes Dokument reicht in vielen Fällen aus.

5) Zubehör, das die Anlage stabiler und wirtschaftlicher macht

Zubehör ist nicht nur “nice to have”. Das richtige Zubehör kann die Anlage messbar stabilisieren: weniger Leckage, weniger Ablagerung, weniger Energieverlust – und am Ende bessere Absaugwirkung.

  • Revisions- und Messstellen: erleichtern Diagnose und Reinigung.
  • Entkopplung & flexible Verbinder: schützen Ventilator und reduzieren Vibration/Leckage.
  • Schieber/Regelorgane: saubere Luftverteilung bei Mehrplatzsystemen.
  • Schlauchführung/Schutz: reduziert Abrieb und Knick – verlängert Standzeiten.
  • Vorabscheider: entlasten Filter, senken Δp-Anstieg und Betriebskosten.

Wenn Sie Zubehör im Gesamtkonzept bewerten möchten: Planung & Dimensionierung.

Weiter zu: ATEX, ESD & Brandschutz – wenn Stäube/Dämpfe brennbar sind oder elektrostatische Risiken bestehen: früh klären, sauber absichern.

FAQ

Welche Ersatzteile sollte ich als erstes auf Lager legen?
Starten Sie mit den Teilen, die die Anlage sofort stoppen oder die Absaugwirkung massiv reduzieren: Filterelement(e), kritische Dichtungen, Schlauchstücke an beanspruchten Stellen sowie Schellen/Adapter, die häufig gebraucht werden.

Wie erkenne ich, ob ein Filterelement “kritisch” ist?
Wenn ein fehlendes Filterelement die Anlage zwingend stilllegt oder der Betrieb ohne Filter nicht zulässig ist, ist es ein A-Teil. Zusätzlich relevant: unklare Lieferzeiten oder Spezialausführung (HEPA, Aktivkohle, Sondermedien).

Was ist der häufigste Grund für falsche Bestellungen?
Unvollständige Identifikation: fehlendes Typenschild, keine NW/Anschlussart, keine Fotos. Mit Typdaten + Foto + Abmessungen reduzieren Sie Rückfragen drastisch.

Lohnt sich ein “Parts-Map”-Dokument wirklich?
Ja, insbesondere bei mehreren Arbeitsplätzen oder mehreren Anlagen. Es verkürzt Stillstand, weil Teile sofort identifizierbar sind und Nachbestellungen nicht am “Welche Ausführung war das?” scheitern.

Wie vermeide ich Überlager und trotzdem Stillstand?
Definieren Sie A-Teile mit kleiner Stückzahl (1 Satz/1–2 Stück) und sichern Sie B-Teile über verlässliche Abrufwege. Lagern Sie nicht “viel”, sondern “gezielt”: hohe Kritikalität + lange Lieferzeit = absichern.

Absaugtechnik Schweiz GmbH | Wissenscenter | Ersatzteile & Zubehör | Stand: Januar 2026
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