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Glossar & Ressourcen – Begriffe, Kennwerte, Checklisten und Vorlagen
Dieses Kapitel ist Ihr Nachschlagewerk für zentrale Begriffe und Kennwerte der Absaugtechnik – plus praktische Ressourcen (Checklisten, Messwerte, Dokumente), die Sie für Planung, Betrieb und Optimierung wiederkehrend benötigen. Ziel: weniger Missverständnisse, schnellere Entscheidungen und eine saubere Kommunikation zwischen Produktion, Technik, Sicherheit und Lieferanten.
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- Passende Lösung finden: Schnellstart zur passenden Lösung
- Auslegen & rechnen: Planung & Dimensionierung
- Fehler systematisch eingrenzen: Troubleshooting & FAQ
- Dokumente & Datenblätter: Downloads
1) Glossar: Grundbegriffe, die in 90 % aller Projekte auftauchen
Diese Begriffe sind die Basis für eine saubere Planung und eine eindeutige Kommunikation. Wo möglich, ergänzen wir „Woran erkenne ich es in der Praxis?“ und „Was geht typischerweise schief?“.
Volumenstrom (Q, m³/h)
Der Volumenstrom ist die Luftmenge pro Zeit, die das System fördert. Er ist der zentrale Kennwert für die Wirksamkeit einer Erfassung (Staub/Rauch wird „eingezogen“ statt verteilt).
- Praxis: zu wenig Q am Erfassungspunkt = schlechte Erfassung, auch wenn der Ventilator „läuft“.
- Typischer Fehler: Q wird „auf dem Papier“ addiert, ohne Gleichzeitigkeit, Abgleich und Druckverluste real zu berücksichtigen.
Druckverlust (Δp, Pa)
Der Druckverlust ist der Widerstand, den die Luft im System überwinden muss (Erfassung, Leitungen, Bögen, Abscheider, Filter, Auslass). Der Ventilator muss Q bei diesem Δp liefern – nicht nur „max. m³/h“ im Leerlauf.
- Praxis: Δp steigt mit Filterbeladung – ohne Reserve rutscht der Betriebspunkt weg.
- Typischer Fehler: Filter wird als fester Widerstand betrachtet; in Wahrheit schwankt Δp stark über die Betriebszeit.
Betriebspunkt
Der Betriebspunkt ist der Schnittpunkt aus Systemkennlinie (Q/Δp) und Ventilatorkennlinie. Dort arbeitet die Anlage im Alltag. Ein stabiler Betriebspunkt im effizienten Bereich bedeutet: wirksam, leiser, energieärmer.
- Praxis: wenn am Ende „nichts ankommt“, liegt es oft am Betriebspunkt – nicht an „zu wenig kW“.
- Typischer Fehler: Ventilator wird ohne Systemlogik gewählt, danach versucht man Probleme durch „stärkere“ Motoren zu kompensieren.
Nennweite (NW)
Die Nennweite (NW) beschreibt die Rohr-/Leitungsgrösse. Sie bestimmt zusammen mit Q die Strömungsgeschwindigkeit – und damit Transportfähigkeit (Ablagerung vs. saubere Förderung), Druckverlust, Geräusch und Energiebedarf.
- Praxis: zu grosse NW = Geschwindigkeit zu niedrig → Ablagerungen, instabile Förderung.
- Praxis: zu kleine NW = Geschwindigkeit zu hoch → hoher Δp, Lärm, Energieverbrauch.
- Vertiefung: Rohrleitungen & Montage
Erfassung (Haube, Arm, Tisch, Kabine)
Erfassung ist der Punkt, an dem der Schadstoff überhaupt „in den Luftstrom“ gelangt. Die beste Filteranlage nützt wenig, wenn die Erfassung falsch positioniert ist.
- Praxis: Abstand zur Quelle ist oft der stärkste Hebel – näher dran gewinnt fast immer.
- Typischer Fehler: Erfassung wird als „Zubehör“ gesehen, statt als Kern der Wirkung.
- Vertiefung: Erfassungselemente
Abscheider / Vorabscheidung
Vorabscheider reduzieren die Filterbelastung, indem sie grobe oder schwere Partikel vorher aus dem Luftstrom trennen. Das erhöht Standzeiten und stabilisiert Δp.
- Praxis: wenn Filter „dauernd zu“ ist, fehlt oft Vorabscheidung oder die Filterfläche ist zu klein.
- Vertiefung: Abscheider, Filter & Filtertechnik
Umluft vs. Fortluft
Umluft bedeutet: gereinigte Luft geht zurück in den Raum (energetisch attraktiv), erfordert aber je nach Medium klare Vorgaben und Überwachung. Fortluft führt Luft nach aussen ab, verlangt aber ein Nachströmkonzept und kostet Heizenergie.
- Praxis: ohne Nachströmung entsteht Unterdruck – Leistung bricht ein, Türen kleben.
- Vertiefung: Nachströmung & Hallenluftbilanz
ATEX / ESD
ATEX betrifft explosionsfähige Atmosphären (brennbare Stäube/Dämpfe), ESD elektrostatische Entladung. Beides ist nicht „Spezialfall“, sondern in vielen Branchen relevant – und sollte früh geklärt werden, weil Nachrüstungen teuer sind.
- Praxis: Funkenquellen, Staubwolken, Kunststoffprozesse – das sind typische Trigger für eine Prüfung.
- Vertiefung: ATEX, ESD & Brandschutz
2) Kennwerte & Einheiten: Was Sie im Alltag wirklich messen/prüfen
Diese Kennwerte sind die praxisnahen Stellschrauben, mit denen Sie Anlagen stabil halten und Probleme schneller lokalisieren.
Differenzdruck am Filter (Δp)
- Wozu: Frühwarnsystem für Filterbeladung, Abreinigungsprobleme oder falsche Auslegung.
- Praxis: Δp-Trends sind wichtiger als Einzelwerte: steigt Δp schnell nach Filterwechsel, stimmt Konzept/Medium/Feuchte meist nicht.
- Vertiefung: Betriebsüberwachung & Wartung
Strömungsgeschwindigkeit (m/s)
Geschwindigkeit entscheidet, ob Partikel transportiert oder abgelagert werden. Zu hoch kostet Energie und Lärm, zu niedrig erzeugt „Staubnester“.
- Praxis: Ablagerungen treten bevorzugt in horizontalen Abschnitten, bei Bögen und an ungünstigen Abzweigen auf.
- Vertiefung: Rohrleitungen & Montage
Schallpegel (dB(A))
- Wozu: Akustik ist ein Systemthema: Ventilator, Strömungsgeschwindigkeiten, Schalldämpfung, Körperschall.
- Praxis: plötzlicher Lärmzuwachs deutet häufig auf veränderten Betriebspunkt, Filterbeladung oder Leckagen hin.
- Vertiefung: Lärm & Akustik
Energiebedarf (kWh) und Regelung
- Wozu: Energieeffizienz entsteht meist durch stabile Auslegung + FU-Regelung + Zonensteuerung, nicht durch „kleiner dimensionieren“.
- Praxis: Anlagen laufen häufig länger als nötig, weil Steuerlogik fehlt (z. B. Nachlaufzeiten, automatische Klappen, bedarfsorientierte Drehzahl).
- Vertiefung: Energieeffizienz & Kosten
3) Ressourcen: Checklisten, Vorlagen und Dokumente, die Sie immer wieder brauchen
Im Projektalltag scheitert Geschwindigkeit selten an „Wissen“, sondern an fehlenden Unterlagen und einer unsauberen Datengrundlage. Diese Ressourcen helfen, von Anfang an die richtigen Informationen zu erfassen.
Checkliste A: Erstaufnahme (für Neuplanung oder Retrofit)
- Prozess & Medium: Staub/Rauch/Dämpfe, Temperatur, Feuchte, Klebrigkeit, Funkenrisiko
- Arbeitsplätze: Anzahl, Standorte, Betriebsprofil, realistische Gleichzeitigkeit
- Erfassung: Typ, Abstand zur Quelle, Öffnungsgeometrie, Störluft (Zug, Querlüftung)
- Rohrnetz: Skizze, Längen, NW, Bögen, Abzweige, Schieber/Klappen, Material
- Filter: Art, Filterfläche, Abreinigung, Δp-Verlauf, Wartungsintervalle
- Ventilator/Steuerung: kW, Drehzahl, FU, Zonen, Start/Stop-Logik
- Zuluft: Fortluft/Umluft, Nachströmöffnungen, Unterdruckanzeichen
Checkliste B: Inbetriebnahme (damit später Diagnose möglich ist)
- Messwerte dokumentieren: Q je Stelle/Zone (soweit möglich), Δp am Filter, Drehzahl/FU-Parameter
- Abgleich: Schieber/Klappen so einstellen, dass alle relevanten Arbeitsplätze stabil funktionieren
- Nachströmung prüfen: Unterdruck vermeiden, Zuluftführung nachvollziehbar dokumentieren
- Akustik: Lärmquellen lokalisieren, Schwingungen, Körperschallentkopplung
- Wartungsplan: Filterwechsel/Abreinigung, Sichtkontrollen, Dichtheit, Behälter/Abwurf
Dokumente & Datenblätter
Alle verfügbaren Dokumente (z. B. Datenblätter, Anleitungen, Produktunterlagen) finden Sie gesammelt hier: Downloads. Wenn Sie eine Unterlage nicht finden, ist der schnellste Weg: kurze Anfrage mit Produktlink oder Artikelnummer.
Vorlagen für interne Kommunikation
In vielen Betrieben sind mehrere Rollen beteiligt (Sicherheitsbeauftragte, Produktion, Instandhaltung, Einkauf). Eine klare, kurze Übergabe verhindert 80 % der Reibungsverluste. Bewährt hat sich ein Einseiter mit:
- Ziel: Was soll konkret erreicht werden (Erfassung, Grenzwerte, Geruch, Staubfreiheit, Komfort)?
- Rahmen: Betriebszeiten, Gleichzeitigkeit, Platzverhältnisse, Fortluft/Umluft
- Risiken: ATEX/ESD, Brandlast, Funken, Feuchte, aggressive Medien
- Erfolgskriterien: messbar (z. B. stabile Erfassung, Δp-Bereich, Geräuschziel, Wartungsintervalle)
FAQ
Warum ist die Nennweite (NW) so entscheidend?
Weil sie zusammen mit dem Volumenstrom die Strömungsgeschwindigkeit bestimmt. Zu grosse NW senkt die Geschwindigkeit
(Ablagerungen, instabiler Transport), zu kleine NW erhöht Druckverlust und Lärm. Die NW ist damit ein zentraler Hebel für
Wirkung, Energie und Akustik.
Welche drei Werte sollte ich immer dokumentieren?
Mindestens: (1) Volumenstrom oder ein plausibler Ersatzwert pro Zone/Arbeitsplatz, (2) Differenzdruck Δp am Filter,
(3) Regelungszustand (Drehzahl/FU-Parameter). Damit lassen sich 80 % der typischen Probleme später deutlich schneller einordnen.
Was ist der häufigste Grund für „zu wenig Saugkraft“?
Erfassung und Verteilung: Abstand zur Quelle, falsche Erfassungsgeometrie oder fehlender Abgleich bei Mehrplatzanlagen.
Der Ventilator ist selten der Kernfehler. Starten Sie bei:
Erfassungselemente
und
Troubleshooting.
Wann sollte ich ATEX/ESD zwingend mitdenken?
Sobald brennbare Stäube/Dämpfe möglich sind oder elektrostatische Aufladung auftreten kann. Das betrifft viele Prozesse
weit ausserhalb „Chemie“. Ein frühes Screening spart später teure Umbauten. Einstieg:
ATEX, ESD & Brandschutz.
Absaugtechnik Schweiz GmbH | Wissenscenter | Glossar & Ressourcen | Stand: Januar 2026
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