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Wissenscenter › Rohrleitungen & Montage

Rohrleitungen & Montage – das Rückgrat jeder Absauganlage

Rohrleitungen sind in der Praxis der Teil einer Absauganlage, der am häufigsten unterschätzt wird – und am meisten entscheidet: über tatsächliche Absaugleistung am Arbeitsplatz, Stabilität, Energiebedarf, Geräusch und Wartungsaufwand. Eine Anlage kann einen starken Ventilator haben und trotzdem „nicht ziehen“, wenn Rohrnetz, Nennweiten (NW), Formteile, Dichtheit und Montage nicht sauber ausgelegt sind.

Dieser Leitfaden zeigt Ihnen eine praxiserprobte Vorgehensweise: von der Rohrnetz-Logik über NW und Geschwindigkeiten bis zu Montage-Details, Abgleich und typischen Fehlerbildern. Für die Grundlagen zur Auslegung (Volumenstrom, Druckverluste, Betriebspunkt) siehe: Planung & Dimensionierung.

Wichtig vorab: Ein Rohrnetz ist immer ein Zusammenspiel aus Erfassung, Filtertechnik, Ventilator/Regelung und Nachströmung. Wenn ein Baustein fehlt, kompensieren Sie später teuer: mit mehr kW, mehr Lärm, mehr Verschleiss oder Dauerproblemen.

1) Rohrnetz-Logik: Was ein gutes Rohrnetz auszeichnet

Ein gutes Rohrnetz transportiert Partikel zuverlässig, bleibt über die Zeit stabil und verursacht dabei möglichst geringe Druckverluste. Es erfüllt drei Ziele gleichzeitig:

  • Transport: Staub/Späne bleiben in Bewegung (keine Ablagerungen, keine „Berge“ in horizontalen Strecken).
  • Effizienz: kurze Wege, wenige Widerstände, sinnvolle NW – damit der Ventilator im guten Wirkungsgradbereich arbeitet.
  • Wartbarkeit: Reinigungszugänge, nachvollziehbare Zonen, klarer Abgleich, saubere Montage und Dichtheit.

Typische Warnsignale, dass die Rohrnetz-Logik nicht stimmt: „Endplatz zieht nicht“, „Filter setzt sich schnell zu“, „ständig Verstopfungen“, „pfeifende Geräusche“, „Energieverbrauch zu hoch“. Für schnelle Diagnosen: Troubleshooting & FAQ.

2) Material- und Systemwahl: Starr, flexibel, verzinkt, Edelstahl, Sondermaterial

Die Rohrleitung ist nicht nur „ein Rohr“. Material und Ausführung bestimmen Abrieb, Dichtheit, Montageaufwand, Chemiebeständigkeit, Temperaturverhalten, Geräusch und statische Reserve (Unterdruckfestigkeit).

Starr (Rohr) vs. flexibel (Schlauch)

  • Rohrleitungen sind im Regelfall die wirtschaftlichste und strömungstechnisch beste Lösung für Haupt- und Verteilnetze: geringer Widerstand, stabil, langlebig, gut zu warten.
  • Schläuche gehören primär an bewegliche Stellen (Maschinenanschluss, Absaugarm, mobile Geräte) – nicht als Ersatz für lange Rohrstrecken. Lange Schlauchwege erhöhen Druckverluste, verschlechtern Stabilität und erhöhen das Risiko für Ablagerungen.
Praxisregel: Je mehr Meter Schlauch Sie „im Netz verstecken“, desto teurer wird der Betrieb. Schlauch ist Bewegung – Rohr ist Effizienz und Stabilität.

Materialwahl: was wirklich zählt

  • Abrasion: grobe Späne, mineralische Stäube, Sandstrahlen erfordern robuste Ausführung und saubere Geschwindigkeiten.
  • Temperatur: heisse Partikel oder Prozesse verlangen Material-/Dichtungswahl mit Reserve (inkl. Funken-/Glutthematik).
  • Chemie/VOCs: Dämpfe, Lösungsmittel oder Säuren beeinflussen Material, Dichtungen, Ableitfähigkeit und Filterkonzept.
  • ESD/ATEX: bei brennbaren Stäuben/Dämpfen müssen Erdung, Potentialausgleich und Zoneneinteilung früh geklärt werden.

Sicherheits- und Spezialthemen (ATEX/ESD/Brandschutz) gehören nicht ans Ende des Projekts, sondern an den Anfang: ATEX, ESD & Brandschutz.

3) Nennweiten (NW) & Transportgeschwindigkeit: Ablagerungen verhindern

Die NW wird so gewählt, dass die Transportgeschwindigkeit zur Stoffart passt. Zu geringe Geschwindigkeit führt zu Ablagerungen; zu hohe Geschwindigkeit erzeugt unnötige Druckverluste, Lärm und Verschleiss. Nutzen Sie die Richtwerte als Plausibilitätscheck – und passen Sie sie an Prozess, Partikel und Netzgeometrie an.

Materialgruppe Medium Richtwert (m/s)
Metall
Metall Feiner Metallstaub 12–15
Metall Metallstaub, Späne 16–18
Metall Grober Metallstaub, Späne 20–22
Metall Grobe Späne 20–25
Minerale
Minerale Feiner/trockener Sand 12–15
Minerale Schleifstaub 16–18
Minerale Schmirgelstaub 16–18
Minerale Sandstrahlen, Gussputzerei 17–20
Holz
Holz Feiner Holzstaub 12–14
Holz Kleine Holzspäne 15–18
Holz Holzwolle 18–20
Holz Holzspäne mit Stücken 25–30
Papier / Kunststoffe
Papier/Kunststoffe Styropor 8–10
Papier/Kunststoffe Kurze Textilfasern 12–16
Papier/Kunststoffe Farbnebel 14–16
Papier/Kunststoffe Randstreifen 16–20
Papier/Kunststoffe Gummistaub 18–22
Papier/Kunststoffe Papierschnitzel 15–25
Lebensmittel
Lebensmittel Mehl 12–14
Lebensmittel Getreide & Futtermittel 14–16
Diverse
Diverse Kohlenstaub in Pulverform 12–14
Diverse Ölnebelabsaugung 14–16
Diverse Waschmittelstäube 16–18

Hinweis: Für reine Fortluftstrecken ohne Partikeltransport (Gase/Dämpfe) gilt in der Regel keine Mindestgeschwindigkeit. Die Tabelle ist primär für Staub, Späne und Partikeltransport gedacht.

4) Leitungsführung: Druckverluste senken, Strömung beruhigen

In der Realität „gewinnen“ Sie Absaugleistung oft nicht über mehr kW, sondern über weniger Widerstand. Typische Widerstands-Treiber sind lange Strecken, viele Richtungswechsel, ungünstige Abzweige, zu kleine NW und unnötig viele Einbauten.

Bögen, Abzweige, Übergänge: die wichtigsten Regeln

  • Bögen: Jeder Bogen kostet Druck. Wenn möglich: grosszügige Radien, keine harten 90°-„Knicke“.
  • Abzweige: Abzweige so gestalten, dass der Hauptstrom nicht „abgewürgt“ wird und Partikel nicht in Totzonen fallen.
  • Übergänge: Übergänge zwischen NW sauber und strömungsgünstig ausführen – abrupte Sprünge erzeugen Turbulenzen.
  • Totstrecken vermeiden: „Blindleitungen“ und Sackgassen sind Ablagerungsfallen.
Praxis-Check: Wenn Sie beim Durchgehen des Netzes mehr „Formteile“ als „Rohrmeter“ sehen, wird das System meist laut und ineffizient. Dann lohnt sich fast immer ein Layout-Review.

Wie Sie Druckverluste gesamthaft erfassen und für die Ventilatorausswahl nutzen: Planung & Dimensionierung und Ventilatoren & Steuerungen.

5) Dichtheit & Verbindungen: Leckagen sind „unsichtbare Verbraucher“

Undichtigkeiten sind heimtückisch: Sie stehlen Volumenstrom, erzeugen Nebenluft, verschlechtern die Abscheideleistung (weil Partikel anders verteilt werden), erhöhen Geräusch und treiben den Energiebedarf – ohne dass man es sofort sieht. Besonders kritisch sind Leckagen in Hauptleitungen und in der Nähe des Ventilators/Filters.

So denken Sie über Dichtheit im System

  • Leckagewirkung: Jede Undichtigkeit ist ein zusätzlicher „Abnehmer“, der nicht am Arbeitsplatz sitzt.
  • Konsequenz: Endplätze verlieren zuerst Leistung – obwohl „die Anlage doch läuft“.
  • Montagequalität: Saubere Ausrichtung, passende Dichtungen, gleichmässiges Anziehen und stabile Aufhängung sind entscheidend.

Wenn eine Anlage trotz korrekter Auslegung instabil wirkt, ist Dichtheit einer der ersten Punkte, die Sie prüfen sollten. Für die betriebliche Kontrolle und wiederkehrende Checks: Betriebsüberwachung & Wartung.

6) Unterdruckfestigkeit: Wandstärke passend zur NW – Kollaps vermeiden

In Absaugsystemen wirken Unterdrücke. Je nach Betriebspunkt, Filterzustand, Klappenstellung und Stranggeometrie können Unterdruckspitzen auftreten. Ist die Rohrleitung statisch zu schwach, drohen Beulen, Kollaps oder Undichtigkeiten – oft zuerst bei grossen NW oder bei langen, schlecht abgestützten Strecken.

So nutzen Sie Unterdruckwerte in der Praxis:
  1. Worst-Case-Unterdruck bestimmen (Δp_max) – idealerweise aus Auslegung oder Messung (z. B. hoher Filterwiderstand / ungünstige Klappenstellung).
  2. Einheit umrechnen: Wenn Δp in Pa vorliegt, in mmWS umrechnen: mmWS ≈ Pa / 9.8067.
  3. NW/Ø festlegen und daraus Wandstärke/Steifigkeit ableiten – nicht „nach Gefühl“.
  4. Montage berücksichtigen: Abstützung, Aufhängung, Ausrichtung und Vorschädigungen beeinflussen die reale Reserve stark.

Unterdruckwerte für Rohre in Abhängigkeit von Nennweite (NW) und Wandstärke (Näherungswerte)
Unterdruckwerte für Rohre (Näherungswerte). Keine Gewähr für Richtigkeit; Auslegung bitte projektspezifisch prüfen.

Wichtig: Unterdruckfestigkeit ist nicht nur „Material“, sondern auch Montage: lange freitragende Strecken, mangelnde Abstützung, Vibrationen oder schlechte Ausrichtung reduzieren die Reserve deutlich. Wenn Sie in Grenzbereichen arbeiten, planen Sie konsequent mit Sicherheitsmarge und sauberer Aufhängung/Abstützung.

7) Umrechnung Druckeinheiten: Pa, mbar, bar, mmWS

In der Praxis werden Druckverluste und Unterdrücke je nach Quelle in Pa, mbar oder mmWS angegeben. Für Auslegung und Ventilatorausswahl ist Pa üblich, während Diagramme und ältere Unterlagen oft mmWS verwenden. Nutzen Sie diese Übersicht für schnelle Plausibilität.

Merksätze:
1 mbar = 100 Pa · 1 kPa = 1'000 Pa = 10 mbar · 1 mmWS ≈ 9.8067 Pa · 100 mmWS ≈ 981 Pa

Einheit Pa mbar bar mmWS at
1 Pa 1 0.01 0.00001 0.102 0.0000102
1 hPa 100 1 0.001 10.2 0.00102
1 kPa 1'000 10 0.01 102 0.0102
1 mbar 100 1 0.001 10.2 0.00102
1 bar 100'000 1'000 1 10'200 1.02
1 mmWS 9.8067 0.098067 0.000098 1 0.0001
1 at 98'066 980.66 0.98066 10'000 1

Hinweis: Umrechnungen sind gerundet. In Datenblättern/Normen können je nach Quelle leicht abweichende Rundungen vorkommen.

8) Montagepraxis: Aufhängung, Gefälle, Reinigungszugänge, Einbauten

Montage ist nicht „nur zusammenstecken“. Eine saubere Montage verhindert spätere Probleme: Undichtigkeiten, Vibrationen, Geräusch, Abrieb an kritischen Stellen, Ablagerungen und Wartungschaos.

Aufhängung & Abstützung

  • Abstützung regelmässig: keine langen freitragenden Strecken – besonders bei grossen NW und bei Unterdrucknähe zum Ventilator.
  • Vibrationen entkoppeln: kritische Bereiche (Ventilatoranschluss, Maschinenanschluss) mit geeigneten Verbindungselementen entkoppeln.
  • Spannungsfrei montieren: Rohrteile müssen ausgerichtet sein; „in Spannung“ montierte Leitungen werden früher undicht.

Gefälle & Ablagerungsmanagement

  • Wo Partikel fallen können, fallen sie: vermeiden Sie flache „Wannen“ und Totzonen.
  • Reinigungszugänge: bei langen horizontalen Strecken und vor kritischen Einbauten (Filter, Abscheider, enge Formteile) Zugänge vorsehen.
  • Revisionsstellen: so platzieren, dass sie wirklich erreichbar sind (nicht hinter Maschinen oder unter Bühnen).

Einbauten: Schieber, Klappen, Funkenfang, Messpunkte

  • Schieber/Klappen: dienen dem Abgleich und der Zonenbildung – nicht als „Notlösung“, wenn etwas nicht zieht.
  • Messpunkte: Druck- oder Volumenstrom-Messmöglichkeiten erleichtern Inbetriebnahme und spätere Diagnose massiv.
  • Funken/Glut: bei heissen Prozessen Schutzmassnahmen früh planen (inkl. Brandschutz-/ATEX-Konzept).

Wie Montage, Abgleich und Messwerte in die Inbetriebnahme übergehen: Installation & Inbetriebnahme.

Quick-Checkliste: Rohrleitungen & Montage

  • NW passend zu Zielgeschwindigkeiten (Stoffart) – keine „zu grossen“ Leitungen aus Vorsicht
  • Leitungsführung kurz, logisch, ohne Totstrecken und unnötige Formteile
  • Dichtheit konsequent (Verbindungen, Dichtungen, Ausrichtung, Nachziehen nach Inbetriebnahme)
  • Unterdruckfestigkeit (Wandstärke/Steifigkeit) passend zu Δp_max und NW
  • Aufhängung/Abstützung regelmässig, vibrationsarm, spannungsfrei
  • Reinigungszugänge vor kritischen Abschnitten und in langen horizontalen Strecken
  • Abgleich über Schieber/Klappen pro Zone/Abzweig – Messpunkte vorsehen
  • Sicherheit (ATEX/ESD/Brandschutz) früh prüfen und sauber dokumentieren

FAQ

Warum „zieht“ die Anlage am letzten Arbeitsplatz oft nicht?
In der Praxis sind es meist Kombinationen aus zu vielen Widerständen (Bögen, Abzweige, lange Schlauchwege), Leckagen und fehlendem Abgleich. Die Luft nimmt dann den „leichtesten“ Weg, und Endplätze verlieren zuerst. Für systematische Diagnose: Troubleshooting & FAQ.

Ist „grössere NW“ nicht immer besser, weil weniger Widerstand?
Nein. Grössere NW senkt zwar Reibung, aber die Geschwindigkeit fällt. Wenn die Geschwindigkeit zu niedrig ist, kommt es zu Ablagerungen und instabilem Transport. NW ist immer ein Kompromiss aus Druckverlust und Transportfähigkeit. Richtwerte finden Sie oben in der Geschwindigkeits-Tabelle.

Woran erkenne ich, dass das Rohrnetz undicht ist?
Typisch sind: „Endplätze ziehen schlechter“, „Filterleistung schwankt“, „Geräusch verändert sich“, „Nebenluft-/Pfeifgeräusche“, oder spürbare Luftbewegung an Verbindungen. Dichtheit ist Teil der regelmässigen Kontrollen: Betriebsüberwachung & Wartung.

Wie setze ich Schieber/Klappen sinnvoll ein?
Schieber und Klappen sind Werkzeuge für Abgleich und Zonensteuerung. Sie gehören an Abzweige/Zonen, nicht „irgendwo“, wo gerade Platz ist. Entscheidend ist, dass die Inbetriebnahme Messwerte liefert: Installation & Inbetriebnahme.

Warum kann ein Rohr unter Unterdruck beulen oder kollabieren?
Unterdruckfestigkeit hängt von NW/Ø, Wandstärke/Steifigkeit und Montage ab. Lange, schlecht abgestützte Strecken verlieren statische Reserve. Besonders kritisch ist der Worst Case bei hohem Filterwiderstand oder ungünstiger Klappenstellung. Das Thema gehört früh in die Auslegung – nicht erst, wenn es „knackt“.

Wie hängen Rohrnetz und Energieeffizienz zusammen?
Jeder unnötige Widerstand muss vom Ventilator „bezahlt“ werden. Ein strömungsgünstiges Rohrnetz senkt Δp, reduziert kW-Bedarf, und macht Regelung (z. B. mit Frequenzumrichter) wirksamer. Vertiefung: Energieeffizienz & Kosten.

Absaugtechnik Schweiz GmbH | Wissenscenter | Rohrleitungen & Montage | Stand: Januar 2026
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