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WissenscenterTroubleshooting & FAQ · Kapitel 16/16

Troubleshooting & FAQ – typische Probleme schnell eingrenzen und sauber lösen

Wenn eine Absauganlage „nicht richtig zieht“, laut ist oder der Filter dauernd zugeht, liegt die Ursache selten an „zu wenig kW“. In der Praxis sind es fast immer Erfassung, Rohrnetz, Regelung, Filterzustand oder Nachströmung. Dieses Kapitel ist Ihr praxistauglicher Diagnose-Leitfaden: Symptome → wahrscheinliche Ursachen → Sofortchecks → nachhaltige Massnahmen.

So nutzen Sie diese Seite:
1) Wählen Sie das Symptom (z. B. „zu wenig Saugkraft am Ende“).
2) Prüfen Sie die 3–5 häufigsten Ursachen in der Reihenfolge.
3) Machen Sie den Schnelltest (ohne Umbau).
4) Wenn bestätigt: setzen Sie die nachhaltige Lösung um oder holen Sie Unterstützung.

1) Symptom: Zu wenig Saugkraft / schlechte Erfassung am Arbeitsplatz

„Es saugt, aber es erwischt den Staub/Rauch nicht“ bedeutet fast immer: Erfassung falsch positioniert oder Volumenstrom am Erfassungspunkt zu niedrig.

Häufigste Ursachen (in dieser Reihenfolge prüfen)

  • Erfassung zu weit weg: Haube/Arm zu grosser Abstand, falscher Winkel, ungünstige Öffnung.
  • Zu viele offene Stellen: Mehrplätze ohne Abgleich, falsche Gleichzeitigkeit, Klappen offen.
  • Leitungswiderstand zu hoch: zu viele Bögen, falsche Übergänge, lange Schlauchstrecken.
  • Filter beladen: Δp hoch, Filterflächen zu klein, Abreinigung ungenügend.
  • Nachströmung fehlt: Unterdruck in der Halle, Zuluft zu wenig oder falsch geführt.

Schnellchecks

  • Abstandstest: Erfassung halbieren (näher ran) – wird es sofort besser, ist Erfassung/Positionierung der Haupthebel.
  • Einzelbetrieb: alle anderen Anschlüsse/Schieber schließen – wird es deutlich besser, fehlt Abgleich/Zonenkonzept.
  • Filtercheck: Δp (Differenzdruck) prüfen, Filterzustand kontrollieren, Abreinigung beobachten.
  • Unterdrucktest: Türen „kleben“, es zieht stark nach innen → Nachströmung ungenügend.

Vertiefung: Erfassungselemente, Rohrleitungen & Montage, Nachströmung & Hallenluftbilanz.

2) Symptom: Am Ende der Leitung kommt „nichts mehr an“

Wenn der erste Arbeitsplatz gut ist, der letzte aber schlecht, ist das fast immer ein Thema von Strömungsverteilung, Abgleich oder Druckverlust.

Häufigste Ursachen

  • Kein Abgleich: kurze Stränge „ziehen“ die Luft weg, lange Stränge verlieren.
  • Falsche Nennweiten (NW): zu grosse NW → Geschwindigkeit bricht ein, Ablagerungen entstehen.
  • Zu viele Widerstände: Bögen, ungünstige T-Stücke, unnötige Reduktionen, zu lange Schläuche.
  • Filterbeladung / Δp: die Reserve fehlt, Betriebspunkt rutscht weg.

Schnellchecks

  • Schieber-Test: die „starken“ Stränge leicht drosseln – wird der letzte Arbeitsplatz besser, ist Abgleich notwendig.
  • Sichtkontrolle: Ablagerungen oder „Staubnester“ in horizontalen Abschnitten? → Geschwindigkeit/Leitungsführung prüfen.
  • Formteile prüfen: harte 90°-Bögen, ungünstige Abzweige, viele Übergänge → Druckverlusttreiber.

Vertiefung: Planung & Dimensionierung und Rohrleitungen & Montage.

3) Symptom: Filter setzt sich schnell zu / häufige Filterstörungen

Ein Filter, der ständig „zu“ ist, ist selten ein „schlechter Filter“. Meist passt das System nicht zum Medium oder die Vorabscheidung/Wartungslogik ist ungenügend.

Häufigste Ursachen

  • Falsches Filtermedium: Staubart, Feuchte, Klebrigkeit oder Temperatur nicht berücksichtigt.
  • Zu kleine Filterfläche: Flächenbelastung zu hoch, Abreinigung überfordert.
  • Feuchtigkeit / Kondensation: Staub klebt, Filterkuchen wird „zementartig“.
  • Keine/zu schwache Vorabscheidung: grobe Partikel landen direkt im Hauptfilter.
  • Abreinigung falsch eingestellt: Puls-/Abreinigungsintervalle, Druckluftqualität, Ventile.
  • Falschluft/Leckagen: führt zu unkontrollierter Belastung oder reduziert effektive Filterwirkung.

Schnellchecks

  • Δp-Trend: steigt der Differenzdruck sehr schnell nach Filterwechsel? → Filterfläche/Medium/Feuchte prüfen.
  • Kondensationsanzeichen: feuchte/verklebte Filtertaschen, Rost/Feuchte im System.
  • Vorabscheider: vorhanden? korrekt dimensioniert? Behälter/Abwurf frei?
  • Abreinigung beobachten: hör-/sichtbar aktiv? Druckluft ok? Intervalle plausibel?

Vertiefung: Abscheider, Filter & Filtertechnik und Betriebsüberwachung & Wartung.

4) Symptom: Die Anlage ist plötzlich deutlich lauter

Lärm steigt typischerweise, wenn Strömungsgeschwindigkeiten zunehmen oder der Ventilator in einen ungünstigen Betriebspunkt rutscht (z. B. durch veränderte Widerstände).

Häufigste Ursachen

  • Falsche Nennweiten (NW): zu klein → hohe Geschwindigkeit → Pfeifen/Rauschen.
  • Filterzustand: beladen → Ventilator arbeitet „gegen Widerstand“ → Geräusch ändert sich.
  • Undichtigkeiten: Falschluft durch Leckagen kann Strömungsgeräusche verursachen.
  • Ventilator/Antrieb: Lager, Unwucht, Verschmutzung, lose Befestigungen.
  • Schalldämpfung fehlt: Ausblas/Auslass ungünstig, keine Dämpfer, Körperschall entkoppeln.

Schnellchecks

  • Geräuschort: entsteht es am Ventilator, im Rohrnetz, an einer Leckstelle oder am Auslass?
  • Δp prüfen: wenn Δp hoch, ist Filterzustand sehr häufig beteiligt.
  • Vibration: fühlbare Schwingungen → Lager/Unwucht/Befestigung prüfen.

Vertiefung: Lärm & Akustik und Ventilatoren & Steuerungen.

5) Symptom: Rohrleitungen verstopfen / Ablagerungen im System

Ablagerungen entstehen, wenn die Transportgeschwindigkeit nicht ausreicht, wenn Geometrien ungünstig sind oder wenn Materialeigenschaften (z. B. klebrig/feucht) nicht berücksichtigt wurden.

Häufigste Ursachen

  • Zu grosse NW: Geschwindigkeit zu niedrig, Material fällt aus dem Luftstrom.
  • Ungünstige Leitungsführung: lange horizontale Strecken, harte Bögen, „Sackgassen“.
  • Feuchte Medien: Staub klebt, verklumpt, bildet Brücken.
  • Falsche Abzweige: T-Stücke ohne strömungsgünstige Führung.

Schnellchecks

  • Hotspots lokalisieren: wo entsteht die Ablagerung zuerst? oft bei Bögen/Übergängen.
  • NW prüfen: passt die NW zum Volumenstrom und zur Zielgeschwindigkeit?
  • Feuchtequelle: Kondensation? Prozessfeuchte? Reinigung?

Vertiefung: Rohrleitungen & Montage und Planung & Dimensionierung.

6) Symptom: „Unterdruck in der Halle“, Türen kleben, Zugluft

Das ist ein klares Zeichen: Nachströmung ist ungenügend oder falsch geführt. Die Anlage kann dann nicht stabil arbeiten – unabhängig davon, wie stark der Ventilator ist.

Häufigste Ursachen

  • Zuluft fehlt: abgesaugte Luft wird nicht ersetzt.
  • Zuluft falsch verteilt: Zuluft kommt nicht dorthin, wo sie gebraucht wird.
  • Fortluft ohne Konzept: grosse Fortluftmengen ohne definierte Nachströmöffnungen.

Schnellchecks

  • Testöffnung: kontrolliert Zuluftöffnung schaffen – verbessert sich die Absaugwirkung sofort, ist das Thema bestätigt.
  • Zuluftwege: kommt die Luft an die Erfassungsstellen oder „kurzschliesst“ sie irgendwo?

Vertiefung: Nachströmung & Hallenluftbilanz.

7) Diagnose-Checkliste: Was wir für eine schnelle Analyse brauchen

Wenn Sie Unterstützung möchten, beschleunigen diese Informationen die Diagnose deutlich – oft kann man damit schon vor Ortbesuch die Hauptursache eingrenzen.

  • Symptom(e): was genau passiert? seit wann? konstant oder abhängig von Betrieb?
  • Prozess/Medium: Staub/Späne/Rauch/Dämpfe, Temperatur, Feuchte, Klebrigkeit
  • Anzahl Arbeitsplätze: wie viele sind gleichzeitig aktiv?
  • Rohrnetz-Skizze: Längen, NW, Bögen, Abzweige, Schieber/Klappen
  • Filterdaten: Filtertyp, Δp (aktuell), Reinigungsart/Intervalle
  • Ventilator: Typ, kW, Regelung (FU?), Drehzahl, Geräusch/Vibration
  • Zuluft: Fortluft/Umluft, Nachströmöffnungen, Unterdruckanzeichen
  • Fotos/Videos: Erfassung am Arbeitsplatz, Filterbereich, Ventilator, kritische Stellen
Weiter zu: Grundlagen: Was ist eine Absauganlage? – wenn Sie die Systemlogik von Grund auf sauber aufbauen möchten.

FAQ

Warum bringt „mehr kW“ oft nichts?
Weil kW nicht die Ursache behebt. Wenn Erfassung, Rohrnetz, Filterzustand oder Nachströmung nicht stimmen, verschieben Sie nur den Betriebspunkt und erzeugen mehr Lärm und Energieverbrauch – die Erfassungswirkung bleibt trotzdem schwach.

Was ist der schnellste Test bei „zu wenig Saugkraft“?
Fahren Sie die Erfassung deutlich näher an die Quelle und schließen Sie testweise andere offene Stellen. Wenn es sofort besser wird, ist das Problem fast immer Erfassung/Abgleich – nicht der Ventilator.

Woran erkenne ich, dass der Filter der Engpass ist?
Am Differenzdruck (Δp) und am Verlauf nach Filterwechsel. Steigt Δp sehr schnell, passt Filterfläche/Medium/Feuchte oder Abreinigung nicht. Auch sichtbare Beladung und häufige Störungen sind klare Hinweise.

Wann sollte ich zwingend ATEX/ESD prüfen?
Sobald brennbare Stäube oder Dämpfe möglich sind oder elektrostatische Aufladung auftreten kann. Das betrifft nicht nur Chemie, sondern auch viele organische Stäube (z. B. Holz, Lebensmittel) und Kunststoffprozesse. Einstieg: ATEX, ESD & Brandschutz.

Absaugtechnik Schweiz GmbH | Wissenscenter | Troubleshooting & FAQ | Stand: Januar 2026
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